Mittwoch, 28. Dezember 2011

"and a diet-coke. deep fried." (homer simpson)

fröhliche weihnachten, happy chanuka, alles überstanden? ich hatte eine woche besuch von meiner mama, und ich glaube, das war das unweihnachtlichste weihnachten, was ich je hatte. bethlehem ja, aber einen tag vor der großen geburtstagsparty. und heilig abend erst am strand von tel aviv und dann auf einem kleinen konzert in jerusalem. 
 
wir waren auch in ramallah und haben uns die dortige kunstakademie angeguckt - die kleinste, die ich je gesehen habe. insgesamt gerade einmal 40 studenten in einer keinen oase mitten in der stadt. ob wir etwas zusammen machen können? studenten von hier mit studenten von dort? begeisterung seitens der bezalel, keine antwort aus ramallah.
 
seit gestern habe ich es endlich schwarz auf weiß: ich bleibe ein weiteres semester hier. nachdem ich die zusage vom bauhaus innerhalb von 2 tagen hatte, musste ich auf die antwort der uni hier insgesamt fast 6 wochen warten "i don't know yet, i have no answer from the department..." nach  4 wochen und ca. 15mal nachfragen bin ich dann direkt zum art-department gegangen um dort zu hören "ach, du willst bleiben? das wussten wir noch gar nicht. ich checke das und schreib dir am sonntag eine email." es kam natürlich keine email und als ich eine woche später wieder hingegangen bin, hieß es "oh, habe ich vergessen, dir zu schreiben? ja, du kannst bleiben, kein problem."

(die verlängerung meines visums wird wahrscheinlich eine ähnlich spaßige aktion... ich lass' es euch wissen.)
  
chanuka ist der feiertag, an dem alles frittiert wird. und chanuka dauert acht tage, also wird acht tage alles frittiert. es gibt zwar hauptsächlich berliner (sofganiot), aber als ich gestern von der uni nach hause gehen wollte, bin ich am foto-department vorbei gekommen, und dort wurden gerade fotos frittiert. "es ist chanuka, und wir studieren fotografie. was sollen wir anderes machen, als unsere fotos zu frittieren?"

    (weihnachten, tel aviv)

Samstag, 17. Dezember 2011

schüsse, stacheldraht, polizei und: in jerusalem können lahme wieder gehen.

gestern habe ich den tag mit einem meiner profs und einer handvoll studenten im norden von israel verbracht, wo wir zwei künstler besucht und sie für ein dokuprojekt interviewt haben. beide wohnen in zwei unterschiedlichen kibbuzim, eins davon direkt an der grenze zu jordanien. 
 
die kibbuzim machen teilweise den eindruck von einer großen hotelanlage, mit vielen kleinen, gleichen häuschen und palmen. teilweise haben sie aber auch den flair von trailer-park-trash, nur eben ohne trailer. besonders das kibbuz an der grenze wirkte so auf mich, wohl vor allem deshalb, weil es zur hälfte leer stand. rostige kinderfahrräder und umgekippte möbel vor den häusern, und hier und da gibt es gaffitigeschmückte eingänge zu luftschutzbunkern.
 
"das ist die grenze zu jordanien. siehst du die gelben schilder hinter dem stacheldraht direkt neben dir? darauf steht: "achtung, minen". ach, und mach dir keine gedanken über die schüsse, die die ganze zeit fallen. die schießen nur auf vögel, die ihre fischzuchtbecken leerfressen."
und nicht einmal die katzen zucken bei den schüssen zusammen.
 
am rande des kibbuz leben ein paar menschen aus einem südostasiatischen land, das ich nicht näher bestimmen kann, und waren gerade dabei, zwei hähne auf einen kampf vorzubereiten. später fuhren sie in einem gefährt, was man normalerweise auf golfplätzen findet, an uns vorbei, zum teil mit skimützen und sonnenbrillen. 
 
auf dem rückweg bin ich in tel aviv statt in jerusalem gelandet, aber so ein unverhoffter spaziergang am dunklen strand ist nicht das schlechteste, was einem am abend passieren kann. 
 
heute wurde wegen einer vergessenen tasche und unter einem großaufgebot an sicherheitskräften und polizei ein teil der yafo-straße gesperrt. aber da ich mich nicht als schaulustige outen wollte, bin ich gegangen und weiß nichts näheres zu berichten. 
 
aber, mein lieber obdachloser bettler auf meinem rückweg: wenn du zwischendurch aufstehst, ein paar schritte gehst, und dich streckst, weil es dir in deinem rollstuhl zu unbequem ist, macht das deine vorstellung nicht unbedingt glaubwürdiger...

Samstag, 10. Dezember 2011

komm, wir lassen uns bis nach jordanien treiben

nach mittlerweile 11 (!) wochen habe ich endlich das umgesetzt, was ich schon in der ersten woche vor hatte: ich war, zusammen mit meike, meiner mitbewohnerin, am toten meer. 
 
zunächst haben wir uns aber zu fuß auf den weg gemacht, masada zu erkunden. ein weg, auf dem man in schlangenlinien auf einer länge von 2km 350 höhenmeter überwindet, ein nicht ganz unanstrengendes unterfangen. (und wenn man oben angekommen ist, befindet man sich gerade mal auf Sealevel, NN, kaum vorstellbar in dieser umgebung.) glücklicherweise haben wir winter, und deswegen nur 27°c, ich möchte gar nicht wissen, wie es sich im sommer anfühlt.
 
unglaublich schöne aussicht, muss mal toll gewesen sein da oben.
nach unserer wanderung zurück nach unten haben wir uns dann ins tote meer begeben. wir standen ewig bis zu den knien im wasser, weil wir nicht so recht wussten, wie das jetzt funktioniert mit dem treiben lassen... aber dann war es grandios. 
 
die arabischen jungs waren etwas nervig, und die verschleierte arabische frau, die am ufer stand, und sich die ganze zeit die augen zugehalten hat, weil sie niemanden in badesachen ansehen wollte, wirkte etwas fehl am platz. 


später gabs dann noch eine wunderschöne mondfinsternis vor der traumhaften kulisse aus wasser und bergen.
 
auf dem rückweg, kurz nach dem israelischen checkpoint haben wir einen jungen mann gesehen, der auf der grenzmauer stand, um dann herunterzuspringen und abzuhauen, zwei andere waren bereits auf der anderen straßenseite. das hat zu wilden spekulationen im auto geführt, geeinigt haben wir uns aber auf eine romantische israelisch-palästinensische romeo und julia geschichte.


Dienstag, 6. Dezember 2011

blut über bethlehem

meine freundin amy und ich haben es endlich geschafft, nach bethlehem zu fahren.
gleiches spiel wie in ramallah: total schön in palästina. 25°c und strahlender sonnenschein (wieso war es da eigentlich so viel wärmer als in jlm? sind doch nur 30min mit dem bus...?) 
die tolle kirche an der stelle, wo dieser one and only stall einst stand und natürlich krippen in allen formen und farben in den geschäften darum herum. auch der weihnachtsmann war in zivil dort unterwegs. ich bin mir sicher.

seit dem hab ich das lied "stern über bethlehem" im kopf, und werds nicht los, dabei hab ich das überhaupt nicht gehört. und den text kann ich auch nicht, nur diese drei worte auf dauer-repeat.

mitten in der stadt gibt es einen sternförmigen brunnen, die "peace fountain". leider völlig ausgetrocknet. 
nicht, dass man das jetzt irgendwie deuten möchte.

auf dem rückweg, kurz nach dem checkpoint, wurde ich vom heftigsten nasenbluten ever überrascht. natürlich keine taschentücher, warum auch?
der bus spuckt uns in jerusalem wieder aus, ich voller blut im gesicht und an den händen. 
was guckt ihr den so? ja, ich komm' grad aus der westbank. und?

war lustig. ;-)

Sonntag, 4. Dezember 2011

ausflüge nach afrika und indien

letzte woche habe ich mit einem kurs an der uni die "church of the holy sepulchre" (ich bin nicht fähig, das auszusprechen) in jerusalem besucht. diese kirche beherbergt nicht nur den stein, auf dem vor knapp 2000 jahren das kreuz gestanden haben soll. was eine menge menschen dazu veranlasst, schlange zu stehen, um sich dann hinzuknien, unter einen altar zu krabbeln und diesen stein zu küssen. (leute, warum habt ihr einen altar darüber gebaut? ohne wärs doch viel einfacher.) 
nein, diese kirche behauptet auch noch ganz bescheiden, der mittelpunkt der welt zu sein. (dieser mittelpunkt an sich ist übrigens ein etwa knie-hohes, steinernes gebilde in form eines eigenartigen pilzes. neben einer spendenbox - der mittelpunkt will schließlich erhalten bleiben.)

auf dem dach der kirche stießen wir plötzlich mit einer reisegruppe aus indien zusammen. gekleidet wie gerade aus einem bollywood-film entsprungen trugen sie für alle sicht- (und vor allem hörbar) leidend ein großes holzkreuz durch die gegend. abwechselnd, jeder durfte mal tragen, und fürs erinnerungsfoto auch mal unter der last des kreuzes zusammenbrechen.

spendenboxen, wie die in der kirche stehen auch überall in mea-schearim herum,  für rabbiner aller couleur. meist in form von metallboxen mit vorhängeschlössern, mit werbestickern übersäht. die beste spendenbox habe ich dort allerdings vor ein paar tagen entdeckt: eine art tischchen, ebenfalls voller sticker, allerdings mit einer glänzend-silbernen tastatur und einem karten-lesegerät. unbedacht, einfach so, draußen. für die tägliche spende mit der kreditkarte.

gestern habe ich es geschafft, mich auf dem weg vom busbahnhof in tel aviv zur dortigen innenstadt mal kurz in äthiopien zu verlaufen. urplötzlich war ich die einzige weiße weit und breit. und ich habe gelernt: in äthiopien macht man aus jeder gelegenheit eine party. laute musik und tanzende menschen sowohl beim friseur als auch im supermarkt als auch im café an der ecke. oder war gestern irgendein feiertag? man weiß es nicht. 

später wurde ich tatsächlich beim kauf von alkohoischen getränken nach meinem ausweis gefragt und habe bei der gelegenheit festgestellt, dass ich schon die ganze zeit ohne ausweis durch die gegend laufe. das geburtsdatum auf meiner krankenkassenkarte in verbindung mit dem foto auf meinem studentenausweis hat dann aber auch genügt. 
seit wann steht eigentlich das geburtsdatum auf der krankenkassenkarte? und warum habe ich die überhaupt dabei? auch das weiß man nicht.

Samstag, 26. November 2011

at least: she likes my shoes

nach einem besorgten anruf seitens meiner mutter (kind, gehts dir gut? du hast schon über eine woche nichts geschrieben.) möchte ich mitteilen: ich lebe noch, und ja, alles gut.
ich pendel zwischen uni, meinem rostigen atelier und der sprachschule hin und her, und es passiert nicht viel schreibenswertes im moment. 
 
letzte woche eine "exkursion" nach mea-schearim, ins ultraorthodoxe viertel, inklusive essen dort.
"warum das ganze einmal-plastikgeschirr?"
"so ist es leichter, koscher zu bleiben."
"ah, achso! aber... wir sind in einem vegetarischen restaurant...?"
"sicher ist sicher."
 
in einem anderen kurs in der uni, malerei, geht die professorin durch die klasse, begutachtet, was wir fabrizieren, kommt zu mir und sagt "i like your shoes." "ähm, well, thank you."
letzte woche wurde dort erklärt, wie man zwei farben miteinander mischt. aus diesem grund, und weil der kurs von 17-20h stattfindet, und ich schon seit 9h in der uni war, habe ich diese woche beschlossen, nicht hinzugehen.
prompt bekam ich eine email von der professorin, in der sie mich darum bittet, doch nächste woche wieder zu kommen. wir könnten uns dann über meine teilnahme am kurs unterhalten, oder ob ich es eventuell bevorzuge, eigene projekte zu machen, anstatt regelmäßig zum unterricht zu kommen.
was ich davon halten soll, weiß ich noch nicht so recht. ich lass mich überraschen. und werde definitiv die selben schuhe tragen.

bei diesem foto hier handelt es sich übrigens nicht um einen getränke-großeinkauf, es ist viel mehr das "regal" des supermarktes, der diese getränke zum verkauf anbietet. praktisch. ich finde das sehr praktisch.

 

Montag, 14. November 2011

no falafel, no peace

bis heute habe ich gegelaubt, die anzeige "noch __ min" an der bahnhaltestelle sei dazu da, rückwärts zu zählen. aber man lernt ja nie aus. etwas länger auf die bahn warten und dann mit ihr fahren können, ist immer noch besser, als wenn sie ankommt, der fahrer alle fahrgäste bittet auszusteigen, um dann das "learning" schild von innen an die scheibe zu klemmen, und leer weiterzufahren. auch ein bahnfahrer lernt anscheinend nicht aus. 
 
in der uni werden den studenten seit zwei wochen ihre alteliers versprochen. auf meine emailanfrage kam dann heute endlich die antwort: es gibt sie tatsächlich, die ateliers, und ab sofort sind sie auch bezugsfertig. 
 
erinnert ihr euch an das siebeneinhalbte stockwerk aus being john malkovich? eine in etwa so anmutende umgebung wurde mir zugeteilt. vielleicht 15qm, unglaublich weiß, bemerkenswert hell, ohne fenster. und ich muss meinen arm noch nicht einmal ganz ausstrecken, um die decke berühren zu können. dazu kommt noch, dass es mit 5 oder 6 anderen (ausschließlich austausch-) studenten teilen muss.
auf dem weg zur akademie-eigenen müllkippe (eine grandiose fundgrube für sämtliche materialien), habe ich dann überlegt, ob ich bei den netten damen aus dem art-department nachfragen soll, ob es eventuell noch eine andere möglichkeit gibt. und da mir ja geraten wurde, laut und deutlich zu sagen, was ich will, da ich sonst gar nichts kriege, dachte ich, warum eigentlich nicht. 
kopfschütteln noch während ich meine frage stelle, aber dann, ganz plötzlich, ist da doch noch ein raum. am ende eines irrgartens aus gängen, treppen und aufzügen (kurz dachte ich daran, brotkrumen zu verstreuen) liegt eine art keller. nicht viel höher, wesentlich dunkler und unglaublich verschachtelt und zugestopft mit allerlei mal-utensilien, kurz: viel sympathischer als der erste raum. 
auch hier bin ich eine von 5 oder 6, aber wir haben viel mehr platz und ich bin die einzige austauschstudentin. der kram, der rumsteht, gehört weder mir noch ihnen, also machen wir uns ans große aufräumen. 
nach einiger zeit wundere ich mich darüber, warum der boden überall aus metall besteht, und nur bei mir eine art dreckiger roter teppich liegt - bis ich feststelle: es ist rost. ein blick nach oben zeigt mir eine malerische ansammlung nasser flecken, auf einen fragenden blick zu meinem ateliergenossen ernte ich ein schulterzucken und "se bezalel". nachdem ich mit dem fuß ein wenig an der rostschicht herumgekratzt habe, lege ich ein loch frei, durch dass ich in den unter mir liegenden raum gucken kann.
ich ziehe also nochmal um, aber nur in eine andere ecke des ateliers. 
 
auf dem weg von meiner wohnung zum damaskustur begegnet mir regelmäßig ein araber, der so freundlich ist, mir seine lebensweisheiten mitzuteilen. beim letzten mal sagte er "you should get high, before you die, my friend", aber heute hat er meinen bisherigen lieblingsspruch von sich gegeben: 
"no falafel, no peace".

das licht am ende des unter der stadt davids gelegenen tunnels

... und dazu stelle man sich bitte den sich überlagernden gesang mehrerer muezzine vor ... 


Dienstag, 8. November 2011

die arabischen kekse leuchten im neonlicht

nach einigem hin- und hergetausche habe ich jetzt meinen stundenplan so zusammengebaut, dass ich zwei freie tage in der woche habe. zu jedem kurswechsel gehört ein besuch bei den netten damen im art department, die jeden studenten, der zu ihnen kommt, zunächst einmal leicht genervt ignorieren, um kaffee und kuchen weiterhin die nötige aufmerksamkeit zu widmen. wenn man dann endlich offiziell wahrgenommen wird, dreht sich eine der damen begleitet von einem tiefen seufzer zu ihrem computer um, führt die nötigen änderungen durch und druckt den neuen stundenplan aus. "noch fragen? du kannst das nicht lesen? es ist alles auf hebräisch? tja, tut mir leid. ich bin sicher, du hast ein wörterbuch."
 
der süßigkeitenautomat verhält sich wesentlich entgegenkommender. er hat einen lautsprecher, und bedankt sich jedes mal mit einem sehr freundlichen "toda!". ich wette, er wurde als ausgleich für die eben genannten mitarbeiterinnen angeschafft. 
(ich muss aber an dieser stelle erwähnen: es gibt auch sehr nette menschen hier.)
 
in der altstadt habe ich am wochenende etwas entdeckt, was ich vorher wirklich noch nie gesehen habe: getrockneten joghurt. faustgroße klumpen aus einer weiß-gelben masse türmen sich zu hübschen pyramiden an manchen arabischen ständen. mir wurde erklärt, dass man dieses material nur zerkleinern und mit wasser oder milch mischen muss, dann hat man joghurt. danach wurde mir ein ameisengroßes stück zum probieren angeboten. ich habe daraufhin beschlossen, meinen joghurt doch lieber weiterhin an der kühltheke des supermarktes zu erwerben.
 
gestern allerdings habe ich herausgefunden, was das wirklich merkwürdigste gefühl ist, das man im mund empfinden kann. wer hat schon mal eine frische dattel gegessen? probiert's aus. es ist ein erlebnis.

Donnerstag, 3. November 2011

doppelte und nicht auffindbare räume

die erste woche an der bezalel ist vorbei, und größer könnte der unterschied zu dem, was ich gewohnt bin, gar nicht sein. von montag bis donnerstag  fast täglich zwei kurse, einer von 10 bis 13, und einer von 14 bis 17 uhr, alles praktisch. drawing, painting, sculpture and anything between. donnerstags auch nochmal von 17 bis 20 uhr. und sonntag gibts theorie.
am wochenende, also freitag und samstag, ist die uni geschlossen, und damit auch die ateliers. wo beantragt man die zeit, um tatsächlich etwas zu machen?
 
jennie, die für die austauschstudenten zuständig ist, gibt uns ihre handynummer, für den fall, dass irgendwas total schief läuft. allerdings mit der bitte, sie nicht nachts um 2 anzurufen, wenn es nicht wirklich, wirklich dringend ist. und mit der bitte, ihre nummer nicht an die israelischen studenten weiterzugeben, denn die scheuen sich offenbar nicht davor, mitten in der nacht zu fragen, wieviele credits es für welchen kurs gibt, und ähnlich wichtige dinge.
 
die organisation ist abenteuerlich hier. montag nachmittag, zeichnen in raum 777. die siebte etage war schnell gefunden, auch der flur mit dem schild "760-780". leider trägt der raum neben 774 die nummer 778. raum 777? nicht da. also, zurück zur info und fragen. "raum 777? ich weiß auch nicht, da muss ich mal eben telefonieren. -- der hausmeister sagt, der raum ist draußen." "draußen??" und tatsächlich, draußen steht eine art gewächshaus mit der raumnummer 777. 
 
aber das komplette gegenteil kann auch passieren. dienstag, irgendein kurs in raum 623. ich stehe mit einer kleinen gruppe studenten vor raum 623 und warte. irgendwann kommt der prof und fragt "ihr wollt zu mir? ihr seid hier falsch. wir sind in raum 623." "ja, aber..." "nein, im anderen raum 623" 
 
donnerstag nachmittag, ein kurs bei einem prof, der mir schon in deutschland dringend empfohlen wurde. nicht gelistet im vorlesungsverzeichnis für uns ausländer, da nur auf hebräisch. ich gehe trotzdem hin, in der hoffnung, mich heimlich, still und leise dazu setzen zu können und nicht weiter aufzufallen, aufgrund mangelnder sprachkenntnisse. guter plan, nur leider scheitert er an der anzahl der kursteilnehmer: mit mir vier. ich habe aber den eindruck, dass das einer der besten kurse des ganzen semesters werden könnte. 
 
und die bezalel ist garantiert die kunstakademie mit der besten aussicht überhaupt. gleich neben dem campus beginnt die wüste palästinas, und bei klarem wetter kann man am horizont das tote meer sehen.
und vor dieser beeindruckenden kulisse auch noch ein dj auf der wiese, allerdings glaube ich, dass der eher zu dem ersti-spaß gehörte, und nächste woche verschwunden sein wird.

Montag, 31. Oktober 2011

großes abenteuer: trying to get a bus-ticket

in israel gibt es ab heute ein neues busfahrkartensystem, die "rav-kav". auch liebevoll "stasi-kav" genannt, denn diese karte kennt nicht nur alle details deines personalausweises, sie sorgt auch dafür, das tag, uhrzeit und buslinie gespeichert werden, sobald du die öffentlichen verkehrsmittel benutzt. aber ohne rav-kav kein studententicket. (und wer weiß, vielleicht ist das irgendwann mal nützlich, man kann ja nie wissen, wann man das nächste mal ein alibi braucht.)
jedenfalls war heute der einzige tag, an dem man die rav-kav an sich kostenlos bekommt, und da mir ja schon erklärt wurde, die sich "die israelis" verhalten, wenn es etwas umsonst gibt, hat sich mein schrecken über die menschenmengen am busbahnhof in grenzen gehalten. körpereinsatz zeigen beim nümmerchen-ziehen (denn alle drängen zum automaten, ziehen eine nummer und bleiben dann einfach da stehen). 
auf meinem halbzerrissenen zettel kann ich die zahl 517 lesen. wo sind wir? ah, 177... gibts hier irgendwo kaffee? 
 
zwei stunden später sitze ich endlich vor einer egged-mitarbeiterin in einem behelfsmäßig eingerichteten büro und muss hören: "semesterticket? nur mit israelischer staatsangehörigkeit." "aber..." "nein." 
 
jetzt bin ich also in besitz einer stasi-kav mit meinem namen und meinem foto darauf, die mir kaum etwas nützt, denn ich kann sie nur zum normalen preis aufladen und spare mir so das kleingeldzählen beim busfahrer. aber gut, ich hätte sowieso nicht gewusst, was ich mit dem vormittag hätte anfangen sollen. ausschlafen, weil die uni ausnahmsweise erst um 14h anfängt? so ein blödsinn...

Samstag, 29. Oktober 2011

burning man. nur ohne burning man.

ich bin zurück aus der negev-wüste, zurück vom "in d negev" festival. 
meine last-minute-facebook-sei-dank-mitfahrgelegenheit (bestehend aus zwei französischen ingenieuren und einer israelischen anwältin, ehrlich gesagt nicht ganz das publikum, an das ich bei einer solchen veranstaltung gedacht hätte) hat auf dem hinweg praktisch keine gelegenheit, sich zu verfahren, ausgelassen. jede möglichkeit, die sich zum abbiegen bot, wurde in die falsche richtung genutzt. 
 
der rückweg war ebenso unorganisiert wie der hinweg. sms nr. 1: "wir fahren nach der letzten band." okay, davon bin ich ausgegangen. sms nr. 2: "wir fahren doch schon VOR der letzten band." auch okay. ich mach mich also mit meinem kram auf den weg vom zeltplatz am einen ende des festivalgeländes zum parkplatz am anderen ende. dort angekommen erreicht mich sms nr. 3: "wir haben gerade beschlossen: wir wollen die letzte band doch noch sehen." also, zurück. nach ende des konzerts trete ich meine reise ein zweites mal an, nur um unterwegs einen anruf zu bekommen "wo bleibst du denn? wir warten schon!"
 
die beiden tage dazwischen waren's allerdings wert: musik, tanzen und falafel mitten in der wüste. mangels zelt und isomatte einfach so unter dem grandiosen sternenhimmel schafen funktioniert, zumindest wenn man zuvor erfolgreich den gedanken an die vielen großen, schwarzen käfer verdrängt, die überall im sand herumlaufen, und eventuell den weg in den schlafsack finden könnten. als ich mit den ersten sonnenstrahlen aufgewacht bin, raschelte es verdächtig unter dem kopfteil meines (ebenfall in der letzten minute gerade noch) geliehenen schlafsackes, und kurz darauf kam ein besonders großes exemplar dieser nicht ganz so sympathischen tiere zum vorschein. glücklicherweise schien es jedoch kein interesse daran zu haben, mich näher kennenzulernen und verschwand in der wüste. 
was noch? sand! sand in den haaren, sand in den augen, sand in der unterwäsche. und: immer erst vorsichtig an der wasserflasche riechen, bevor man daraus trinkt. denn ein großer schluck arak ist garantiert nicht das, was man sich kurz nach dem aufwachen wünscht.

Dienstag, 25. Oktober 2011

haifa//חיפה


ich liebe diese kabelkonstruktionen...

Montag, 24. Oktober 2011

kurzurlaub mit hindernissen: einmal haifa und zurück

vor lauter freude über die drei gewonnenen freien tage bin ich gestern für zwei tage nach haifa gefahren. (es ist ja nicht so, als hätte ich nicht gerade einen ganzen monat frei gehabt, und es in dieser zeit kaum geschafft, aus jerusalem raus zu kommen... egal.) in haifa habe ich carl besucht, einen ehemaligen bauhaus-studenten, der nach seinem auslandssemester an der bezalel vor ein paar jahren nie wieder wirklich nach deutschland zurückgekehrt ist, und jetzt mit seiner freundin in haifa lebt. 
 
die central bus station in jlm ist eine welt für sich. wenn man das obligatorische sicherheitsprogramm hinter sich gebracht hat, taucht man in eine laute, bunte, hektische welt ein, in der alles leuchtet, blinkt, glitzert oder töne von sich gibt. einen moment lang dachte ich, ich hätte den falschen eingang benutzt und wäre in irgend einer mall gelandet, aber irgendwo hab ich dann doch ein schild mit der beschriftung "arrivals/departures" gefunden, und meine hoffnung, doch nach haifa zu kommen, wurde wieder größer. 
 
irgendwo habe ich dann auch einen ticketschalter gefunden, der ausdrücklich kein informationsschalter war (jemand hat sich extra die mühe gemacht, einen 3sprachigen "no information"-zettel zu drucken und an die scheibe des schalters zu kleben.) dass das wörtlich gemeint ist, habe ich erst verstanden, als ich ein paar minuten später einen kleinen bunten fahrschein in der hand hielt, auf dem absolut nichts stand. weder reiseziel noch datum, noch uhrzeit, noch busnummer noch abfahrtsgate. und da ich offenbar nicht die einzige war, der es so ging, hatte sich an dem informationsschalter (der ausdrücklich kein ticketschalter war) bereits eine längere schlange gebildet. als ich endlich an der reihe war, warf die unglaublich sympathische junge dame, die sich tatsächlich klischeebestätigend die fingernägel feilte, einen kurzen blick auf mein ticket und sagt, vorwurfsvoll und kopfschüttelnd "gate 19!" zu mir.
okay, also gate 19. der bus steht schon da, "haifa" leuchtet mir von der anzeigetafel entgegen und ich steige ein. als ich mich höflich beim busfahrer erkundige, welchen der beiden busbahnhöfe in haife er denn anfahre, hebt er die stimme und sagt, er würde verdammt nochmal nicht nach haifa fahren und ich soll augeblicklich seinen bus verlassen. als ich nochmal nachfragen will, ist er schon dabei, die fahrscheine der anderen zu kontrollieren und würdigt mich keines blickes. ich steige wieder aus, drehe mich um, sehe die rote leuchtschrift über der windschutzscheibe des busses, die "haifa" anzeigt und der busfahrer schließt die tür und fährt los. ich stehe allein am bussteig und kann noch nicht einmal zurück in den wartebereich, da sich die türen nur von innen öffnen lassen. 
 
nach einer halben stunde kommt der nächste bus, diesmal ist alles kein problem und anderthalb stunden später bin ich am ziel. ich rufe carl an, sage ihm, dass ich da bin, und er gibt mir instruktionen, wie ich in die innenstadt komme. leider ist die telefonverbindung sehr schlecht, und ich verstehe nur "bus 103" und "wenn du auf der rechten seite xxxx siehst, musst du aussteigen." was?? aber auch beim zweiten erklärungsversuch verstehe ich nichts. 

ok, denke ich, irgendwas besonderes auf der rechten seite, das werde ich wohl hinkriegen. steige in den bus, setze mich rechts ans fenster und warte. lange zeit kommt nichts, und für einen moment bin ich mir nicht mal mehr sicher, ob er "rechts" gesagt hat. ein kurzer blick nach links zeigt mir aber nichts als das mittelmeer, also schnell wieder die rechte seite beobachten. zuerst kommt eine seilbahn, die den berg hinauf führt. hat er seilbahn gesagt? ich weiß es nicht. ich glaube nicht. dann kommt ein schiff, ein ozeanriese an land. ein schiff?? keine ahnung. so viel "besonderes" auf der rechten seite habe ich nicht erwartet. als dann aber eine art riesiger terrassengarten auftaucht, bin ich ziemlich sicher, dass nicht noch viel mehr "besonderes" kommen kann, und steige aus.
 
wer hat mir eigentlich erzählt, haifa wäre eine verschlafene, weltfremde kleinstadt mit palmen und hängematten? haifa ist riesig, dreckig und heruntergekommen, teilweise it-zentrum und teilweise geisterstadt und hat die höchste konzentration an fertigen menschen und verlassenen häusern, die ich bisher hier beobachten konnte.
i like. 
 
eine besonderheit der stadt ist ihre u-bahn, die carmelit. es gibt nur eine linie, und selbst die hat nur 6 stationen, und fährt ausschließlich geradeaus. das besondere ist, dass sie quasi in einem 45-grad-winkel nach oben (bzw nach unten) fährt, und den hafen mit dem karmelgebirge verbindet. außerdem ist sie die einzige u-bahn israels.  

den rückweg beginne ich am anderen der beiden busbahnhöfe haifas, und als der busfahrer beginnt, ungewöhnlich lange mein seltsames ticket zu studieren, freue ich mich zum ersten mal tatsächlich über die gewaltsam hinter mir drängelnden israelis, die mich schon so weit in den bus hineingeschoben haben, dass es dem fahrer nicht mehr möglich ist, mich wieder hinauszumanövrieren und schulterzuckend meine fahrkarte abstempelt.

Sonntag, 23. Oktober 2011

haben sie waffen oder drogen dabei?

das "international office" der bezalel-akademie trägt den falschen namen. definitiv. es sollte "german studentinnen office" heißen. 80 prozent der austauschstudenten kommen aus deutschland und 80 prozent sind mädchen. nicht zwangsweise die gleichen 80 prozent, aber viele variationsmöglichkeiten gibt es ja da nicht. 

mit dem bus an der uni anzukommen ist ein bisschen wie aus einem flugzeug aussteigen. erst hält der bus an einer schranke, ein bewaffneter sicherheitsmensch steigt ein, geht durch den ganzen bus, und erst wenn er wieder ausgesteigen ist, darf der bus weiterfahren. dann gehts in eine art tunnel unter dem universitätsgebäude, und man wird centimetergenau vor ein paar automatischen türen rausgelassen. dann rein, tasche abgeben, durch den metalldetektor gehen, tasche zurück und mit der rolltreppe nach oben fahren. ich hab mich schon innerlich darauf vorbereitet, meinen reisepass zu zücken und den grund meiner reise anzugeben, aber das wollten sie dann doch nicht. 

heute war der erste tag des sprachkurses, und als ich die lehrerin auf hebräisch gefragt habe, ob es ein reiner anfängerkurs sei, hat sie mich nach hause geschickt. so hab ich also jetzt erst am mittwoch wieder uni, dann gehts weiter mit sicherheitstraining. was auch immer das bedeuten mag.

gestern kam avivit auf ein eine grandiose idee. "let's hitchhike!" okay, cool, wohin? "i don't know. let's just hitchhike." unser abenteuer endete circa 100m von der haustür entfernt, wo wir einen alten freund von ihr getroffen haben, mit dem wir dann den ganzen rest des tages im park saßen.
vielleicht beim nächsten mal. vielleicht haben wir dann auch ein ziel. oder wenigstens eine richtung.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

zeitreise

es sind gerade fotos von 1950 aufgetaucht:



wir schreiben kulturgeschichte

die guerilla-ausstellung im verlassenen hotel mit konzert im leeren pool war ein grandioser erfolg. ich war in den letzten drei tagen der vorbereitung dabei, habe vögel aus der wand gepickt, dabei geholfen eine wortmaschine zu installieren, rokoko-paare und schiffe schattiert, bilder aufgehängt, schutt von a nach b geräumt, und für meine erste ausstellungsbeteiligung hier gesorgt


der flügel auf den foto oben links ist übrigens auch kunst: es ist kein echter, sondern wurde von jemandem einfach aus herumliegendem material und müll gebaut. ich habe sogar vor ort 2x hingucken müssen.
facebook sagt, es waren 216 gäste da, ich bin  aber sicher, es waren mehr. die stimmung hätte besser nicht sein können und die zeitung hat einen artikel mit foto gebracht und schreibt, es handle sich um eine "kulturelle revolution". sogar die polizei, die zwischendurch natürlich kommen musste, hat gewartet bis die letzte band zuende gespielt hat, und die veranstaltung erst dann aufgelöst.

überraschung, es ist mal wieder feiertag, nach rosch haschana und jom kippur folgt diesmal sukkot. für diese feiertage (sukkot dauert eine ganze woche) werden hütten unter freien himmel gebaut, die an den auszug der israeliten aus ägypten erinnnern.
ich war heute in einer sukka, (der schönsten, die ich bis jetzt gesehen habe) in musrara auf einem konzert einer der bands, die auch im verlassenen hotel gespielt haben. es war toll, aber was noch toller war, ist, dass ich im anschluss daran herausgefunden habe, dass die leute, die auch die sukka gebaut haben, im anliegenden gebäude ein atelier und eine holzwerkstatt haben, frei zur benutzung für alle, die wollen. und in knapp zwei wochen ziehe ich um - ziemlich genau auf die andere straßenseite dieser wunderbaren einrichtung. 


zuhause habe ich vor ein paar tagen versucht, der katze eine sukka zu bauen - die war davon allerdings weniger begeistert.

Freitag, 14. Oktober 2011

holocaust und hausbesetzer

abenteuerurlaub? so ein blödsinn. fahrradfahren in jerusalem! ganz großes kino. frei nach dem motto 'no risk no fun' bin ich gestern kreuz und quer durch ostjerusalem gefahren. ein wunder, dass ich überhaupt den weg zurück gefunden habe. und jeder kreisverkehr war ein besonderes highlight.
aber, leute, wenn ich die straße überqueren will, müsst ihr nicht alle extra langsam fahren und mich anstarran und hupen, damit es noch länger dauert. ich bin ein fahrradfahrer, kein autounfall. (wobei diese beiden zustände hier wohl nicht allzuweit voneinander entfernt zu liegen scheinen...)

und dann: hallo, altes lieblingsthema, ich bin wieder da: den rest des tages und einen großteil der nacht habe ich mit ein paar anderen heimlich, still und leise in einem verlassenen hotel verbracht, wo wir gebaut und gebastelt haben, um am sonntag abend eine große vernissage mit einem konzert feiern zu können.

dort bin ich auch zum ersten mal der geschichte begegnet. es ist schon irgendwie merkwürdig, wenn jemand völlig unbekanntes jemanden mit dem satz begrüßt "oh, you are german? so, what du you think about the holocaust?" wie gesagt, ich kannte ihn überhaupt nicht und wusste deswegen nicht so recht, was ich wie sagen soll. er und seine freunde haben sich königlich über meine reaktion amüsiert und fingen daraufhin an, nazi-witze zu erzählen, was zu einem insgesamt sehr lustigen abend geführt hat.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

ramallahramallah-youwannagotoramallah?? ken! ...äh... yes!

ich war heute in ramallah.
was soll ich sagen? ich hatte ein völlig falsches bild dieser stadt in palästina im kopf. ich habe hauptsächlich staub und schlaglöcher erwartet. natürlich gab es das auch, aber mit betreten des stadtzentrums ändert sich die welt um einen herum. neonreklame, superschicke boutiquen, es ist dort alles sehr "westlich" (<- ich mag diesen audruck überhaupt nicht, aber er beschreibt wohl am besten das, was ich sagen will). 



und ganz ehrlich: es ist sowas von viel angenehmer (als frau ohne kopftuch) durch ramallah zu laufen als beispielsweise durch ostjerusalem. die menschen sind unglaublich freundlich, es gibt keinen endlos-loop von "excuseme-excuseme-excuseme".
(für den nächsten besuch in der jerusalemer altstadt besorg ich mir ein tshirt mit der aufschrift "no excuse").
die autofahrer in ramallah halten im dichtesten verkehrschaos an und lassen dich über die straße gehen, man kann sich das angebot der marktstände angucken, ohne direkt von verkäufern belagert zu werden, die auf den verschiedensten sprachen versuchen, komplimente zu machen und dich damit überzeugen wollen, etwas zu kaufen. in der altstadt/ost-jlm habe ich bis auf lebensmittel noch nie etwas gekauft, weil es mir zu stressig ist, überhaupt einen blick auf das zu werfen, was man kaufen könnte.
also beim nächsten mal: auf, zum shoppen in die westbank!

mauern, soldaten, waffen, gepanzerte fahrzeuge und stacheldraht am checkpoint auf dem weg dorthin sind natürlich weniger schön. ich hatte allerdings heute das glück, sowohl auf dem hin- als auch auf dem rückweg einfach durchfahren zu können und keine durchsuchung über mich ergehen lassen zu müssen.

zum schluss noch ein paar impressionen zum letzten blogpost. inklusive der telefonnummer des friseurs oben links. :-)


Montag, 10. Oktober 2011

kleine unterschiede

wie man leute in jerusalem kennenlernt? nichts einfacher als das: einfach mit einem skizzenbuch hinsetzen und zeichnen. nach 5 minuten kam der erste mit seinem fahrrad an, setzt sich neben mich und fängt an zu erzählen. er wäre friseur und sein friseursalon ist gleich um die ecke. wenn ich mal lust habe, ans tote meer zu fahren, soll ich ihn anrufen, und er kommt mit. sagt's und schreibt mir seine telefonnummer mitten in die zeichnung.
kaum ist er weg, kommt der nächste. "hi, ich hab dich von der straßenbahn aus gesehen."
"ja... und?"
"nichts und. gehen wir ein bier trinken?"
"nein... es ist 10.30h vormittags..."

und ich habe gelernt, dass alles, was passiert, furchtbar israelisch ist. zumindest aus sicht der israelis. durch zufall jemanden, den man kennt, auf dem markt treffen? "wow, that's such an israelian thing!" ich bezweifle es.
die straßenbahn ist total überfüllt? "yeah, that's typical israelian style. that's how they behave, if there's something for free." auch hier weigere ich mich, das als landestypisch anzusehen...

kleine unterschiede sind mir trotzdem aufgefallen. das toilettenpapier scheint grundsätzlich mit pinken herzchen oder bärchen oder sonstwas bedruckt zu sein, die katzen reden den ganzen tag und alles wird eingefroren. brot, kaffee, zucker, spülmittel. (spülmittel??)
möglicherweise ist der letzte punkt aber auch einfach eine besonderheit meiner wg.
die vielen soldaten auf der straße habe ich vom ersten tag an als völlig normal wahrgenommen (sollte ich mir darüber gedanken machen?), was ich aber als sehr verwirrend empfand, war, dass sie soldaten, die gerade urlaub haben, zwar keine uniform tragen, aber trotzdem völlig selbstverständlich ihre waffe mit sich herumtragen.
gestern war außerdem der jährliche gasmasken-wechsel-tag. wer bis 18h seine gasmaske (jeder hat eine zuhause, und nein, ich habe keine) zur staatlichen gasmasken-wechsel-stelle bringt, kann kostenlos den filter austauschen lassen. wer's nicht schafft, muss trotzdem hin, diese woche irgendwann, muss aber dann eine gebühr bezahlen.



vorgestern war, wie bereits erwähnt, jom kippur. offenbar auch bekannt als "leere-plastikflaschen-bevölkern-die-straße-tag", zumindest im ultraorthodoxen viertel mea-shearim. damit keine informationen über diese geheimnisvolle tradition an die öffentlichkeit gelangen, wurde eigens eine kinderarmee aufgestellt.
wirklich, als ich das foto gemacht habe, ging eine gruppe von kindern, meist mit kippa und schläfenlocken, mit stöcken und spielzeug auf mich los. "no pictures, no pictures!"
daraufhin bin ich geflohen.

Freitag, 7. Oktober 2011

menschenmassen und hühner, die auf ihr schicksal warten

erinnert ihr euch noch an "sin with sebastian"? mitte der 90er, euro-dance-kram, fürchterliche texte, fürchterliche videos?
wenn mir jemand vor einem halben jahr erzählt hätte, dass ich mal einen abend mit "sin with sebastian" in einer bar in jerusalem verbringe, ich hätte kein wort geglaubt. aber genau das ist gestern abend passiert. mr. shut-up-and-sleep-with-me ist ein wirklich netter mensch, mittlerweile mehr hippie als dragqueen, und gerade im urlaub im gelobten land um dort an dem einen oder anderen meditationskurs teilzunehmen. bei der gelegenheit ist er als couchsurfer bei der lieben meike aufgetaucht, meiner zukünftigen mitbewohnerin.
viel unterhalten haben wir uns nicht, er hat aufrichtig um steve jobs getrauert und sehr unter seinen mückenstichen gelitten, (wobei ihm direkt erklärt wurde, dass es sich um palästinensische mücken handeln müsse, die israelischen wären niemals so dreist und würden einfach stechen) und war hauptsächlich mit einem jüdischen fan beschäftigt, der für ein treffen mit ihm sogar auf seinen besuch an der klagemauer verzichtet hat (und das am abend vor jom kippur)
 
später bin ich mit ein paar anderen richtung altstadt, richtung klagemauer gelaufen, aber wir hatten keine chance dort hin zu gelangen. nachts um halb 3 war eine geschätze million menschen auf dem weg dort hin, seit tagen werden busladungen voller touristen in jerusalem ausgespuckt. die hälfte will tatsächlich die mauer berühren, um vor jom kippur um vergebung zu bitten. die anderen hälfte kommt, um der ersten häfte dabei zuzusehen.
ganz schnell hat sich in der altstadt ein loveparade-in-duisburg-style ausgebreitet, und wir, zumal wir ein schwangeres mädchen dabei hatten, haben den rückzug angetreten.
an jeder ecke werden weiße hühner angepriesen, die bei bedarf geschlachtet und über den köpfen der sünder geschwenkt werden. kapparot nennt sich das, und verursacht ziemlich viele hühnerblutpfützen auf den straßen jerusalems. 


 
ich bin danach noch zum markt gelaufen, eigentlich um fotos von einem völlig ausgestorbenen ort zu machen. aber an einem freitag morgen um 3 ist dafür wohl nicht der richtige zeitpunkt: die cafés und die läden, die süßigkeiten verkaufen, sind noch auf, die gemüsestände fast schon wieder, zumindest werden sie schon neu bestückt.
morgen nacht versuch ichs nochmal. wenn dann auch wieder so viel los ist, hab ich das mit dem höchsten feiertag nicht richtig verstanden :)

Mittwoch, 5. Oktober 2011

die menschliche bohne und der nachwuchs-exhibitionist

nach dem versuch, mich zur uni zu locken, habe ich dann doch beschlossen, ihm per email mitzuteilen, dass er bitte aufhören soll, mich ständig zu kontaktieren, und dass ich keine geschichten von höheren mächten mehr hören will. seine antwort darauf war schon fast rührend: warum ich ihm das antun würde, ihm, der sich zwei tage lang für mich aufgeopfert hat, es würde sich anfühlen, wie ein messer, dass ihm ins herz gestochen und dann umgedreht wird, usw, usw. am ende seiner mail schrieb er noch: ich soll ihn doch bitte behandeln wie ein menschliches wesen, nur schrieb er statt "human being" "human bean"...
 
heute: herzlberg, yad vashem. das war eigentlich gar nicht mein ziel, ich hab mich einfach in die straßenbahn gesetzt, um rauszufinden, wo die mich wohl hinbringt. kurz nach verlassen der haltestelle gesellt sich ein orthodoxer junge, vielleicht 14  jahre alt zu mir, läuft neben mir her. nachdem er sich nach allerlei merkwürdigen dingen erkundigt hat (ob er mein handy haben kann, wieviele freunde ich habe, ob ich französisch spreche, ob er meinen arm anfassen darf, ob ich fünf schekel für ihn habe, was jedes einzelne meiner tattoos gekostet hat), öffnet er plötzlich seine hose und zeigt mir sein glied. sagt irgendwas, was ich nicht verstanden habe, packt es wieder ein und läuft weg. 
 
yad vaschem besuche ich ein anderes mal. aber das war ja heute sowieso nicht mein plan.

Dienstag, 4. Oktober 2011

anrufe in abwesenheit

udis wohnzimmer is the place to be. udi und sein sohn scha'ul wohnen zu zweit in einem kleinen, total verwinkelten hippie-häuschen am rande von nachla'ot. die tür ist grundsätzlich offen, und menschen wie katzen kommen und gehen zu jeder tages- und nachtzeit.
es gibt immer tee und kaffee, und seit zwei tagen liegt ein überdimensionaler sack mit keksen auf dem tisch. avivits frage "hey, udi, erwartest du einen krieg?" hat an diesem ort trotz aller ruhe und gelassenheit einen irgendwie nicht ganz so scherzhaften beigeschmack. (aber nur ein bisschen).
geredet wird hebrenglisch, und mir wird mit begeisterung jedes wort inkl. herkunft, wurzel und allen verwandten wörtern erklärt.
avivit ist zur zeit komplett in diese oase eingezogen. sie ist das mädchen, in deren zimmer ich wohne, da sie eigentlich auf reisen sein wollte. aber sie kommt nicht weg, es ist so gemütlich bei udi. jetzt wohne ich bei ihr und sie dort, 5min voneinander entfernt, irgendwie merkwürdig. 

gestern abend war das "wöchentliche jerusalemer hausbesetzertreffen", es gibt ein wunderschönes leerstehendes hotel, was in einen ausstellungs- und konzertraum verwandelt werden soll. alles auf hebräisch, ich saß da und hab hin und wieder ein wort in meinem grünen büchlein notiert, um später herauszufinden, was es heißt, bis udi sich zu mir rüberbeugte und sagte "sieht aus, als ob du total interessiert wärst, und im anschluss jede menge fragen hast..."
 
mittlerweile kenne ich meine ecke von jerusalem, weiß wo ich leinwand und pinsel kaufen kann, ohne dafür mein komplettes reisebudget aufzubrauchen, und ich hab angefangen zu malen. alltag kehrt ein. 
 
was seit meiner "flucht" aus der altstadt auch zu meinem alltag gehört, sind anrufe in abwesenheit. 38 an der zahl, alle von diesem meschugah, bei dem ich gewohnt habe. drangegangen bin ich nie. gestern dann der höhepunkt: mein handy klingelt, festnetznummer wird angezeigt und mir wird erklärt, dass ich bitte am nächsten tag um die-und-die uhrzeit am international office der uni sein soll.
nice try, aber nicht clever genug: ich glaube kaum, dass in der uni abends um halb sechs noch jemand sitzt und anrufe tätigt, meine infos habe ich bisher alle per emails bekommen, und außerdem: dort hat niemand meine nummer.
promt klingelt kurz nach meinem nicht-erscheinen an der uni mein handy wieder: anruf nr. 39. 
mal sehen, was noch kommt. zur not besorg ich mir eine neue nummer.

Montag, 3. Oktober 2011


sorry, immer nur fotos... ich schreib' auch bald mal wieder was.
dieses hier ist in der altstadt entstanden. 

Sonntag, 2. Oktober 2011


meine mitbewohnerin, freunde von ihr und ich haben heute den nachmittag auf dem dach eines hauses in lifta verbracht, einem im krieg von 1948 verlassenen, arabischen dorf vor den toren jerusalems.

Freitag, 30. September 2011

erster umzug nach nur 2 tagen

der zweite abend war noch ein bißchen schlimmer als der erste, aber (im nachhinein) auch amüsanter. zwar waren wir nicht wieder bei einer skandinavischen bibelstunde, aber mein mitbewohner hat ganz andere geschütze aufgefahren. zunächst hab ich versucht, ihm mitzuteilen, dass ich nicht bei ihm bleiben möchte. vorsichtig, ich wollte ihn ja nicht vor den kopf stoßen. aber er konnte das überhaupt nicht verstehen. ich wäre doch künstler, ich solle das doch mal von der künstlerischen seite aus betrachten. nur weil ich meine, dass ich ein eigenes zimmer will, heisst das nicht, dass ich wirklich eins will. es wäre feige von mir, das zu wollen, was ich schon kenne, weil ich dann auf der sicheren seite bin, ich solle möglichkeiten ergreifen, wenn sie sich mir bieten, it's a chance, give it a try, sechs monate sind ja keine ewigkeit, und nähe zwischen menschen ist unglaublich wichtig, und ich wäre total oberflächlich, wenn ich das nicht merken würde. ähm. nein. ich will weg. jetzt noch mehr als vorher.
als er merkte, dass die sache für mich erledigt ist, und ich auf jeden fall am nächsten tag gehe, hat er beschlossen, mich auf eine andere art und weise zu missionieren: er fing an von den höheren mächten, the greater power zu sprechen, die auf anderen planeten, in anderen galaxien wohnen, und deren werkzeuge wir sind. und damit ich unwissende und (schon wieder) oberflächliche ungläubige ihn wenigstens ansatzweise verstehe, hat er tatsächlich aus irgend einer ecke eine deutsche kinderbibel hervorgeholt. (ganz verstehen könne ich ihn selbstverständlich nie, er gehört schließlich zu den wenigen auserwählten, die das "große ganze" durchschauen können, und ich gehöre ganz offensichtlich nicht dazu.)
am nächsten tag bin ich umgezogen, in die innenstadt, in eine sehr schöne wg mit sehr netten mitbewohnern, einer katze und sage und schreibe: mehreren zimmern.
abends ein wirklich wunderbares rosh-hashana-essen. danke @ naomis mama & frohes neues jahr!

Donnerstag, 29. September 2011

mehr bilder


ob das eine klingel sein soll, weiß man nicht. 
hauptsache das tor ist glücklich.

Mittwoch, 28. September 2011

Dienstag, 27. September 2011

very nice experience

den zweiten tag an diesem wunderschönen ort habe ich hauptsächlich mit warten verbracht. 
mein toller mitbewohner ist verrückt. er erzählt den ganzen tag was von kosmischen sphären und angeblich arbeitet er mit verschiedenen regierungsorganisationen zusammen. 
(offenbar von zuhause aus, per telepathie, wer weiß...)
jedenfalls hat er mir verschwiegen, dass er insgesamt nur 2 zimmer hat. das eine zimmer ist gleichzeitig badezimmer und küche, und das andere vereint wohn- und schlafzimmer in sich -- sowohl seins als auch meins. 
(ich muss allerdings zugeben: ich hatte mich auch nicht explizit danach erkundigt, denn wer kommt denn auf die idee, dass jemand, der einen mitbewohner sucht, gar kein freies zimmer in der wohnung hat??)
ich bin heute morgen aufgewacht und er starrte mich an, und fing sofort an zu reden, als er merkte, dass ich wach war. 
muss ich noch mehr sagen? ich will so schnell wie möglich hier weg. 
aus diesem grund wollte ich heute ein anderes zimmer angucken, aber leider haben wir uns verpasst, und ich habe wartezeit nr.1 in einem fremden treppenhaus verbracht... 

wartezeit nummer zwei war schöner. ich bin nachmittags zurück zu meinem derzeitigen aufenthaltsort gegangen (ich habe keinen schlüssel!) und leider hat niemand aufgemacht. deswegen bin ich durch märkte der altstadt gewandert. nachdem ich gerade beschlossen hatte, ab sofort nur noch mit langen ärmeln das haus zu verlassen, weil ich schon nach zwei tagen das mir aus allen ecken entgegenschallende "nice tattoo" nicht mehr hören kann, kam mir ein mann entgegen und bat mich, das öffnungszeiten-schild für seinen (kunsthandwerk/schmuck)-laden auf deutsch aufzuschreiben. das habe ich getan, und wir kamen ins gespräch. schließlich saß ich eine ganze stunde bei ihm rum, ich hab kaffee bekommen und tee, und er hat mir ohrringe und eine kette gemacht und geschenkt. ganz ohne irgendwelche blöden sprüche oder andeutungen. wirklich sehr schön :-) 

trotzdem will ich hier ausziehen. ich hoffe, morgen klappt das mit dem zimmer doch noch.
und ich freu mich schon aufs aufwachen morgen früh, diesmal weiß ich ja, was mich erwartet....

Montag, 26. September 2011

willkommen in jerusalem

der satz "da gibt es nur verrückte" wurde mir mehrfach gesagt, sogar mein hebräischbuch hat davor nicht halt gemacht. aber ich habe das für total übertrieben gehalten.
bis heute.
ich haber mir im voraus keine genauen gedanken darüber gemacht, wie der erste abend in dieser stadt aussehen könnte, und ich habe ganz bestimmt nicht damit gerechnet, in einer norwegisch-christlichen bibelstunde zu landen. 
aber genau das ist passiert. mein übergangsmitbewohner hat mich am jaffator abgeholt, mich durch die gassen der altstadt nach "hause" gebracht, mir gerade mal genug zeit gelassen, meinen rucksack in die ecke zu stellen, und sagte dann "der plan für heute ist: erst ein konzert und dann gehen wir zu einem coolen ort, wo man rumhängen kann". 
das war kein angebot, das war eher "keine widerrede!".
nach gefühlten stunden zu fuß durch die stadt mussten wir feststellen, dass es das konzert nicht gab, also los, weiter, zu dem "coolen ort". 
und naja, das war ein norwegisches glaubenszentrum. 
dass es sowas wie eine laptoptasche gibt, in der man seine bibel verstauen kann, war mir neu. auch dass man auf norwegisch "hallelüja" sagt. 
als gebetet wurde, haben die (zumeist älteren) frauen (die übrigens alle irgendeine art von freiwilligendienst in jerusalem leisten) immer ganz leise "jesus, ja jesus" gezischelt, ganz schön spooky. 
danach gabs kuchen als entschädigung. (wobei ich möglicherweise die einzige bin, die das als "entschädigung" angesehen hat.)

in diesem sinne: hallelüja

Freitag, 23. September 2011

ich flieg' in drei tagen, und heute hat mein zimmer abgesagt. 
aber hey, ich flieg' erst in drei tagen ;-)

Montag, 5. September 2011

du bist zu früh, hier gibt's noch nichts.