Mittwoch, 28. Dezember 2011

"and a diet-coke. deep fried." (homer simpson)

fröhliche weihnachten, happy chanuka, alles überstanden? ich hatte eine woche besuch von meiner mama, und ich glaube, das war das unweihnachtlichste weihnachten, was ich je hatte. bethlehem ja, aber einen tag vor der großen geburtstagsparty. und heilig abend erst am strand von tel aviv und dann auf einem kleinen konzert in jerusalem. 
 
wir waren auch in ramallah und haben uns die dortige kunstakademie angeguckt - die kleinste, die ich je gesehen habe. insgesamt gerade einmal 40 studenten in einer keinen oase mitten in der stadt. ob wir etwas zusammen machen können? studenten von hier mit studenten von dort? begeisterung seitens der bezalel, keine antwort aus ramallah.
 
seit gestern habe ich es endlich schwarz auf weiß: ich bleibe ein weiteres semester hier. nachdem ich die zusage vom bauhaus innerhalb von 2 tagen hatte, musste ich auf die antwort der uni hier insgesamt fast 6 wochen warten "i don't know yet, i have no answer from the department..." nach  4 wochen und ca. 15mal nachfragen bin ich dann direkt zum art-department gegangen um dort zu hören "ach, du willst bleiben? das wussten wir noch gar nicht. ich checke das und schreib dir am sonntag eine email." es kam natürlich keine email und als ich eine woche später wieder hingegangen bin, hieß es "oh, habe ich vergessen, dir zu schreiben? ja, du kannst bleiben, kein problem."

(die verlängerung meines visums wird wahrscheinlich eine ähnlich spaßige aktion... ich lass' es euch wissen.)
  
chanuka ist der feiertag, an dem alles frittiert wird. und chanuka dauert acht tage, also wird acht tage alles frittiert. es gibt zwar hauptsächlich berliner (sofganiot), aber als ich gestern von der uni nach hause gehen wollte, bin ich am foto-department vorbei gekommen, und dort wurden gerade fotos frittiert. "es ist chanuka, und wir studieren fotografie. was sollen wir anderes machen, als unsere fotos zu frittieren?"

    (weihnachten, tel aviv)

Samstag, 17. Dezember 2011

schüsse, stacheldraht, polizei und: in jerusalem können lahme wieder gehen.

gestern habe ich den tag mit einem meiner profs und einer handvoll studenten im norden von israel verbracht, wo wir zwei künstler besucht und sie für ein dokuprojekt interviewt haben. beide wohnen in zwei unterschiedlichen kibbuzim, eins davon direkt an der grenze zu jordanien. 
 
die kibbuzim machen teilweise den eindruck von einer großen hotelanlage, mit vielen kleinen, gleichen häuschen und palmen. teilweise haben sie aber auch den flair von trailer-park-trash, nur eben ohne trailer. besonders das kibbuz an der grenze wirkte so auf mich, wohl vor allem deshalb, weil es zur hälfte leer stand. rostige kinderfahrräder und umgekippte möbel vor den häusern, und hier und da gibt es gaffitigeschmückte eingänge zu luftschutzbunkern.
 
"das ist die grenze zu jordanien. siehst du die gelben schilder hinter dem stacheldraht direkt neben dir? darauf steht: "achtung, minen". ach, und mach dir keine gedanken über die schüsse, die die ganze zeit fallen. die schießen nur auf vögel, die ihre fischzuchtbecken leerfressen."
und nicht einmal die katzen zucken bei den schüssen zusammen.
 
am rande des kibbuz leben ein paar menschen aus einem südostasiatischen land, das ich nicht näher bestimmen kann, und waren gerade dabei, zwei hähne auf einen kampf vorzubereiten. später fuhren sie in einem gefährt, was man normalerweise auf golfplätzen findet, an uns vorbei, zum teil mit skimützen und sonnenbrillen. 
 
auf dem rückweg bin ich in tel aviv statt in jerusalem gelandet, aber so ein unverhoffter spaziergang am dunklen strand ist nicht das schlechteste, was einem am abend passieren kann. 
 
heute wurde wegen einer vergessenen tasche und unter einem großaufgebot an sicherheitskräften und polizei ein teil der yafo-straße gesperrt. aber da ich mich nicht als schaulustige outen wollte, bin ich gegangen und weiß nichts näheres zu berichten. 
 
aber, mein lieber obdachloser bettler auf meinem rückweg: wenn du zwischendurch aufstehst, ein paar schritte gehst, und dich streckst, weil es dir in deinem rollstuhl zu unbequem ist, macht das deine vorstellung nicht unbedingt glaubwürdiger...

Samstag, 10. Dezember 2011

komm, wir lassen uns bis nach jordanien treiben

nach mittlerweile 11 (!) wochen habe ich endlich das umgesetzt, was ich schon in der ersten woche vor hatte: ich war, zusammen mit meike, meiner mitbewohnerin, am toten meer. 
 
zunächst haben wir uns aber zu fuß auf den weg gemacht, masada zu erkunden. ein weg, auf dem man in schlangenlinien auf einer länge von 2km 350 höhenmeter überwindet, ein nicht ganz unanstrengendes unterfangen. (und wenn man oben angekommen ist, befindet man sich gerade mal auf Sealevel, NN, kaum vorstellbar in dieser umgebung.) glücklicherweise haben wir winter, und deswegen nur 27°c, ich möchte gar nicht wissen, wie es sich im sommer anfühlt.
 
unglaublich schöne aussicht, muss mal toll gewesen sein da oben.
nach unserer wanderung zurück nach unten haben wir uns dann ins tote meer begeben. wir standen ewig bis zu den knien im wasser, weil wir nicht so recht wussten, wie das jetzt funktioniert mit dem treiben lassen... aber dann war es grandios. 
 
die arabischen jungs waren etwas nervig, und die verschleierte arabische frau, die am ufer stand, und sich die ganze zeit die augen zugehalten hat, weil sie niemanden in badesachen ansehen wollte, wirkte etwas fehl am platz. 


später gabs dann noch eine wunderschöne mondfinsternis vor der traumhaften kulisse aus wasser und bergen.
 
auf dem rückweg, kurz nach dem israelischen checkpoint haben wir einen jungen mann gesehen, der auf der grenzmauer stand, um dann herunterzuspringen und abzuhauen, zwei andere waren bereits auf der anderen straßenseite. das hat zu wilden spekulationen im auto geführt, geeinigt haben wir uns aber auf eine romantische israelisch-palästinensische romeo und julia geschichte.


Dienstag, 6. Dezember 2011

blut über bethlehem

meine freundin amy und ich haben es endlich geschafft, nach bethlehem zu fahren.
gleiches spiel wie in ramallah: total schön in palästina. 25°c und strahlender sonnenschein (wieso war es da eigentlich so viel wärmer als in jlm? sind doch nur 30min mit dem bus...?) 
die tolle kirche an der stelle, wo dieser one and only stall einst stand und natürlich krippen in allen formen und farben in den geschäften darum herum. auch der weihnachtsmann war in zivil dort unterwegs. ich bin mir sicher.

seit dem hab ich das lied "stern über bethlehem" im kopf, und werds nicht los, dabei hab ich das überhaupt nicht gehört. und den text kann ich auch nicht, nur diese drei worte auf dauer-repeat.

mitten in der stadt gibt es einen sternförmigen brunnen, die "peace fountain". leider völlig ausgetrocknet. 
nicht, dass man das jetzt irgendwie deuten möchte.

auf dem rückweg, kurz nach dem checkpoint, wurde ich vom heftigsten nasenbluten ever überrascht. natürlich keine taschentücher, warum auch?
der bus spuckt uns in jerusalem wieder aus, ich voller blut im gesicht und an den händen. 
was guckt ihr den so? ja, ich komm' grad aus der westbank. und?

war lustig. ;-)

Sonntag, 4. Dezember 2011

ausflüge nach afrika und indien

letzte woche habe ich mit einem kurs an der uni die "church of the holy sepulchre" (ich bin nicht fähig, das auszusprechen) in jerusalem besucht. diese kirche beherbergt nicht nur den stein, auf dem vor knapp 2000 jahren das kreuz gestanden haben soll. was eine menge menschen dazu veranlasst, schlange zu stehen, um sich dann hinzuknien, unter einen altar zu krabbeln und diesen stein zu küssen. (leute, warum habt ihr einen altar darüber gebaut? ohne wärs doch viel einfacher.) 
nein, diese kirche behauptet auch noch ganz bescheiden, der mittelpunkt der welt zu sein. (dieser mittelpunkt an sich ist übrigens ein etwa knie-hohes, steinernes gebilde in form eines eigenartigen pilzes. neben einer spendenbox - der mittelpunkt will schließlich erhalten bleiben.)

auf dem dach der kirche stießen wir plötzlich mit einer reisegruppe aus indien zusammen. gekleidet wie gerade aus einem bollywood-film entsprungen trugen sie für alle sicht- (und vor allem hörbar) leidend ein großes holzkreuz durch die gegend. abwechselnd, jeder durfte mal tragen, und fürs erinnerungsfoto auch mal unter der last des kreuzes zusammenbrechen.

spendenboxen, wie die in der kirche stehen auch überall in mea-schearim herum,  für rabbiner aller couleur. meist in form von metallboxen mit vorhängeschlössern, mit werbestickern übersäht. die beste spendenbox habe ich dort allerdings vor ein paar tagen entdeckt: eine art tischchen, ebenfalls voller sticker, allerdings mit einer glänzend-silbernen tastatur und einem karten-lesegerät. unbedacht, einfach so, draußen. für die tägliche spende mit der kreditkarte.

gestern habe ich es geschafft, mich auf dem weg vom busbahnhof in tel aviv zur dortigen innenstadt mal kurz in äthiopien zu verlaufen. urplötzlich war ich die einzige weiße weit und breit. und ich habe gelernt: in äthiopien macht man aus jeder gelegenheit eine party. laute musik und tanzende menschen sowohl beim friseur als auch im supermarkt als auch im café an der ecke. oder war gestern irgendein feiertag? man weiß es nicht. 

später wurde ich tatsächlich beim kauf von alkohoischen getränken nach meinem ausweis gefragt und habe bei der gelegenheit festgestellt, dass ich schon die ganze zeit ohne ausweis durch die gegend laufe. das geburtsdatum auf meiner krankenkassenkarte in verbindung mit dem foto auf meinem studentenausweis hat dann aber auch genügt. 
seit wann steht eigentlich das geburtsdatum auf der krankenkassenkarte? und warum habe ich die überhaupt dabei? auch das weiß man nicht.