Dienstag, 31. Juli 2012

challas, das wars.

wenn man aus israel zurück fliegt, muss man drei stunden vor abflug am flughafen sein. für die meisten menschen bedeutet das drei stunden langweilige wartezeit. nicht so für mich. 
ich steige aus dem taxibus aus, hab nicht alle meine sachen in der hand, und werde schon vom ersten sicherheitsbeamten angehalten. passport? ja klar, moment. nach eingehender betrachtung meines fotos (ja, ich weiß, ich habe da eine andere brille), ist er so nett und lässt mich das fluhafengebäude betreten. 
(alle anderen, die mit mir im bus saßen, sind längst drinnen.)

man muss durch die erste sicherheitskontrolle, bevor man überhaupt den schalter erreicht. ich finde die für mich zuständige warteschlange, werde von einer dame in blauer uniform von oben bis unten angeguckt. kopfschütteln. nein, du stellst dich da drüben an.
was ist los? was hab ich an mir? 
fragerunde nummer eins. du hast aber nicht die gleiche brille wie auf dem foto! seit wann bist du hier? warum so lange? oh, du hast kunst studiert? das ist ja interessant. was denn? malst du? oder machst du skulpturen? 
und ich dachte nur: DAS ghört zu den fragen? wollt ihr gar nicht wissen, ob und wie lange ich in den palästinensischen autonomiegebieten unterwegs war?
als nächstes bleibt meine tasche minutenlang im röntgengerät. als sie raus kommt, teilt mir eine weitere sicherheitsameise mit, dass ich mich bitteschön da drüben anstelle, eine durchsuchung ist nötig. 
fragerunde nummer zwei. seit wann bist du hier? warum so lange? oh, du hast kunst studiert?
...
dann wird meine tasche auseinander genommen. komplett. 
was ist das? 
eine radiernadel. 
was? und was ist das? 
eine druckplatte. 
aha? 
naja... ich hab.... kunst studiert, und... 
achja, stimmt. alles ok. 
endlich ist sie fertig, murmelt was von 'sorry for the balagan', und ich stehe zum zweiten mal an diesem tag vor dem problem, alles wieder irgendwie in dieser tasche unterzubringen. 

endlich, ich darf einchecken. 
dachte ich. 
nein, ich werde von zwei neuen sicherheitsameisen zum schalter begleitet. zum sicherheitsschalter. da krieg ich mein ticket und meine tasche kriegt ihren aufkleber, aber ich warte vergeblich darauf, dass sich das band bewegt, und sie sich schon mal richtung flugzeug bewegt. 
die frau am schalter sagt: deine tasche nimmst du wieder mit. da vorne, um die ecke, da ist ein aufzug für "spezielles gepäck". ich setz mich in bewegung, und sie ruft den beiden anderen ameisen auf hebräisch zu: "ihr lasst die doch nicht etwa allein gehen??" und schon ist meine persönlich eskorte wieder da. 
nachdem ich die tasche abgegeben habe, folgt das gleiche spiel noch einmal. 
diesmal mit meinem handgepäck. ich warte eine halbe ewigkeit, und auf einem info-bildschirm neben mir wird gezeigt, wie die sicherheitskontrolle ablaufen soll. 
nachdem der dümmlich grinsende schauspieler mit seinem roten tshirt die kontrolle durch die unglaublich freundliche beamtin zum geschätzten dreiundzwanzigten mal durchlaufen hat, bin auch ich endlich fertig. 
nicht ohne auskünfte über mein studium zu geben. (aha? mit öl? oder mit acryl?). 
aber wenigstens ist mein laptop jetzt nicht mehr so staubig.

nachdem bei der handgepäckkontrolle jeder gegenstand, der ansatzweise scharf sein könnte, sorgfältig aussortiert wurde, finde ich im "größten duty-free-shop der welt" rasierklingen im sonderangebot. 

irgendwann sitze ich im flugzeug und denke: das wars? das war ein jahr in israel? es kommt mir vor wie geträumt. als wär ich gar nicht weg gewesen. die tränen laufen, und die stewardess schenkt mir schokolade.

Montag, 30. Juli 2012

jerusalem, ich liebe dich.

aber ich muss dir sagen: es ist vorbei. 
ich werde dich verlassen. und zwar noch heute. 

aber irgendwann werden wir wieder zusamen sein,
da bin ich mir sicher. 

Donnerstag, 19. Juli 2012

der rabbi ist tot - es lebe der rabbi


als ich gestern nach hause gelaufen bin, sind mir, nur wenige meter von meinem haus entfernt, einige polizei- und krankenwagen aufgefallen, mitarbeiter der stadtverwaltung waren dabei, eine straße abzusperren, und einige orthodoxe standen schaulustig herum.  
schon wieder irgend ein feiertag? was hab ich diesmal verpasst? 
die antwort kam im handumdrehen übers internet: rabbi elyashiv ist tot. 
endlich, möchte man sagen, denn im alter von 102 jahren und nach langem krankenhausaufenthalt muss man auch mal sterben dürfen. ein paar minuten später bin ich selbst nur knapp einem herzinfarkt entgangen: die, zu dem in unserem hinterhof gelegenen schulhof der religiösen schule gehörenden lausprecher meldeten mit ihrem altertümlichen knacken ihre baldige aktivität an. und dann wurde ein klagegesang angestimmt, der bei allen anwesenden spontane gänsehaut verursachte. und zwar in einer laustärke, die der eines mittelgroßen festivals in nichts nachstand. 

als wir eine halbe stunde später das haus verlassen, ist unsere straße bereits komplett gesperrt und ein meer aus schwarzen hüten und mänteln strömt in richtung mea shearim. sanitäter verteilen wasser an die schwitzende menge und in den offenen krankenwagen wird denen luft zugefächelt, denen das ganze jetzt schon zu aufregend ist. riesige lautsprecherboxen hängen an einem kran, und es wird weiter unheimlich mitleiderregend ins mikrofon geweint. hubschrauber ziehen ihre kreise über dem emotionalen spektakel. 

nachts um 3 sieht die gegend aus, als wäre nichts passiert. zummindest wenn man von den bergen aus leeren plastikflaschen und anderem müll absieht, die jedes mal entstehen, wenn sich eine aus ultraorthodoxen bestehende gruppe zusammenfindet. 

heute morgen hat die zeitung offizielle zahlen enthüllt: 250.000 menschen aus halb israel sind für den trauerzug nach jerusalem gekommen. ein video der jerusalem post gibts hier

mittlerweile scheint zwar die größte aufregung zwar vorbei, aber seit stunden wird feuerwerk in die luft geschossen. vormittags. 
und ich dachte immer, feuerwerk würde nur dann sinn machen, wenn es dunkel ist. aber offenbar hab ich mich getäuscht. 

Samstag, 14. Juli 2012

wochenendausflug in den norden


tiberias am see genezareth - mein letzter ausflug im heiligen land. nein, ich werde jetzt keinen kommentar darüber abgeben, dass man nicht übers wasser laufen kann, keine sorge. 
nach dreistündiger busfahrt bin ich gestern vormittag angekommen und wurde von unbeschreiblicher hitze empfangen. 
es ist meistens windig da, deswegen ist es auszuhalten, wurde mir im vorhinein gesagt. wenn der wind sich allerdings anfühlt, als käme er direkt aus einem föhn, macht er überhaupt nichts besser. 

tiberias ist eine stadt, die aussieht, als hätte sie schon bessere tage gesehen - und zwar vor langer zeit. 

das seeufer an sich ist von der stadt aus kaum zu erreichen, aufgeteilt in schmale pazellen, scheint es privatbesitz der jeweiligen hotels zu sein, die bis zu 20 euro für einen tag am wasser verlangen. 

romantisches campen am ufer ist allerdings möglich. ein metallzaun trennt den schmalen streifen wiese, der im winter sicher grün gewesen ist, von der hauptstrasse, ein weiterer vom wasser - denn genau hier ist das schwimmen verboten. das hält die ortsansäesigen familien jedoch nicht davon hab, ihre zelte und grills aufzubauen, und sich wenige zentimeter vom dichten verkehr in die sonne zu legen. 

die frauen sind hier blondiert, und leopardenprint scheint der aktuelle trend zu sein, ebenso wie weit über die lippen hinaus angemalte münder, wahlweise in rot oder pink. ein grossteil der einheimischen männchen signalisiert durch körperhaltung und armbewegungen grosse sympathie zu unseren haarigen vorfahren, und ist offenbar der meinung, dass bekleidung für den oberkörper völlig überbewertet wird. 
endlich weiß ich, wo die leute wohnen, die am wochenende immer vor der toy-bar in jerusalem schlange stehen. 

es ist shabat, also muss ich, ob ich will oder nicht, bis zum späten nachmittag warten um den ersten bus nach hause nehmen zu können. 

in jerusalem angekommen, treffe ich direkt auf meine schwarz-weiß gekleideten freunde. dass sie am samstag auf der steil abfallenden straße zwischen innenstadt und damaskustor stehen, und autos mit lauten "schawwes, schawwes"-rufen am vorbeifahren hindern wollen, kenne ich ja schon. 

dieses mal allerdings haben sie ihre kinder vorgeschickt: an die fünfzig jungs, und vereinzelte mädchen im grundschulalter stehen auf der straße, schreien und werfen schuhe oder leere plastikflaschen, wenn ein autofahrer es wagt, mit seinem motorisierten untersatz die straße zu benutzen. 

schön hier. aber wenigstens zehn grad kälter als in tiberias. 

Donnerstag, 12. Juli 2012

orthodoxe im museum - auf beiden seiten


zu meiner großen schande muss ich gestehen, dass ich es erst gestern zum allerersten mal geschafft habe, ins israel-museum zu gehen. es stand seit der ersten woche auf meiner to-do-list, aber irgendwie ist es nie dazu gekommen. 

(nach wie vor verstehe ich nicht, warum museen im sommer, besonders hier, nicht mit ihrer klimaanlage werben. "30 grad im schatten? kommt ins museum!" es würde funktionieren, davon bin ich überzeugt.)

die aktuelle, wirklich sehr schön gemachte sonderausstellung beschäftigt sich mit dem leben der ultraorthodoxen juden. rituale, kleidung, lebensweise. das ganze ist aufgezogen, wie eine ausstellung über historische gesellschaftsformen, ausgewählte kleidungsstücke hängen von der decke, mit erklärungen daneben, als würde man sich eine ausstellung über das leben der menschem im rokoko ansehen. 
der einzige unterschied: das, was gezeigt wird, ist zeitgenössisch. und trifft offenbar auf reges interesse bei den dargestellten mitgliedern der israelischen gesellschaft. will heissen: die ausstellung war voll von menschen, die genauso aussahen, wie die auf den ausgestellten fotos, und deren kleidung sich nur leicht von der unterschied, die da von der decke hing. 
vor den videos, die verschiedenste zeremonien und feierlichkeiten zeigten, wurde einfach mitgesungen und auch die mesusa, die ausdrücklich als ausstellungsstück am eingang hing, wurde ganz selbstverständlich im vorübergehen angefasst. 

in der abteilung für zeitgenössische kunst dachte ich beim blick aufs namensschild mehrmals: "hey, den kenn ich!" und zwar nicht im sinne von "ich hab den namen schonmal gehört", sondern, "den kenn ich". die kunstwelt in israel ist klein, glaube ich. und ich fühle mich nach einem jahr an der bezalel, als würde ich dazugehören.

was mich wirklich irritiert hat, war der umgang mit informationen. von außen ist alles dreisprachig beschriftet. sowohl der name des museums, als auch eingang, ausgang und museums-shop sind auf hebräisch, arabisch und englisch zu lesen. 
drinnen findet das ganze ein plötzliches ende. zwar findet man hier und da noch eine überschrift auf arabisch, wie in der riesigen historischen abteilung, wo in großen lettern dreisprachig gefragt wird "was ist glas?" 
die erklärung darunter folgt dann allerdings nur auf hebräisch und englisch. 
in den räumlichkeiten für kunst und auf zetteln, die man sich an manchen stellen mitnehmen kann, fehlt die arabische beschriftung komplett.  

allerdings muss ich dazu sagen, dass ich im ganzen museum keinen einzigen besucher gesehen habe, dem ich spontan arabisch als muttersprache zuordnen würde.

und ich nehme auch nicht an, dass der ausstellung über orthodoxes leben eine über muslimische traditionen und bräuche folgen wird. 

Sonntag, 8. Juli 2012

grüße aus palästina


wir wandern nach jericho, das war schon einmal geplant. um sicherzustellen, dass wir jericho auch wirklich sehen,  fahren  wir direkt mit dem bus dorthin, und planen, die andere hälfte des beim letzten mal wegen dunkelheit abgebrochenen wadi-qelt-trails rückwärts zu laufen. 

die tatsache, dass es jetzt juli und nicht mehr april ist, und dass wir wesentlich weiter unten, also bei wesentlich höheren temparaturen anfangen, und bergauf laufen müssen, haben wir geflissentlich ignoriert - was dazu geführt hat, dass wir nach ca. zwei kilometern unsere wanderschaft abgebrochen haben und nach jericho zurückgekehrt sind. 37° und gnadenlose sonne sind offenbar nicht die richtigen bedingungen für vier hellhäutige europäerinnen. 

die ausgrabungsstelle vom antiken jericho, der ältesten stadt der welt, ist mit eindrucksvollen, wenn auch sehr verblichen informationstafeln geschmückt, die fotos von treppen und torbögen zeigen. 
das tatsächliche loch in der erde, was sich direkt neben den schildern befindet, ist dagegen nichts weiter als ein loch in der erde. ich konnte, selbst mit größter beanspruchung meines vorstellungsvermögens, nichts von dem erkennen, was auf den fotos aus den 50ern dargestellt ist. 

zurück in der innenstadt, die mehr einem dorfplatz gleicht, lassen wir uns im schatten nieder und trinken kaffee. der freundliche ätere herr, der uns den kaffee serviert setzt sich zu uns, spricht relativ gut englisch und fängt an, sich mit uns zu unterhalten. er erklärt uns, dass er nach islamischem gesetz zwar das recht hätte, vier frauen zu haben, ihm aber seine beiden schon mehr als genug sind, und dass man ja verrückt sein müsse, es mit vieren aufzunehmen. auf die frage, ob er es gerecht finden würde, dass frauen auch vier männer haben dürften, lacht er und meint, man müsse es ja nicht gleich übertreiben. über zwei ließe sich diskutieren, aber vier? 

wir überlegen, eine wassermelone zu kaufen, im obstladen an der ecke, er bekommts mit, springt auf und sagt: wartet, ich lege sie für euch in die kühlung, die sind ja jetzt total warm von der sonne. sagt's, schnappt sich eine melone, spaziert damit zum benachbarten metzger, und legt sie zwischen das rohe fleisch. 

direkt neben dem metzer, mit all seinen gehäuteten, aufgehängten schafen und hühnern im schaufenster, befindet sich übrigens die örtliche tierarztpraxis. 

plötzlich, und ohne dass irgendeine ahnung habe, warum, kippt die stimmung, und er fängt eine lobrede auf hitler zu halten. als er merkt, dass er damit bei uns nicht auf gegenliebe stößt, und als er die hebräischen buchstaben auf meinem arm entdeckt, verlässt er den tisch. 

wir beschließen die rückreise über ramallah anzutreten, wo wir in eine imposante demo geraten. der redner brüllt koranverse ins mikro, die komplett schwarzweiß gekleidete, und nach männern uns frauen getrennte menge wiederholt sie rhytmisch und schwenkt die mit weißer, arabischer kalligraphie geschmückten schwarzen flaggen im gleichtakt. 
nachdem uns niemand übersetzen will, worum es geht (plötzlich spricht niemand mehr englisch, aber zumindest das wird uns auf englisch gesagt), treffen wir auf einen kanadier, der uns erklärt, dass natürlich die befreiung palästinas das thema ist, allerdings hauptsächlich bezogen auf die rückeroberung jerusalems und auf die zerstörung des jüdischen staates. 

eine gewaltige energie liegt in der luft, vergleichbar mit der, die ich letzte woche in tel aviv erlebt habe, auch wenn diesmal wesentlich weniger menschen an der kundgebung teilnehmen. während die stimmung am mittelmeer allerdings positiv und voller tatendrang war, ist sie hier aggressiv, und voller feindseligkeit. 
plötzlich werden wir mit der begründung, nicht angemessen gekleidet zu sein ("das hier sind echte moslems, und ihr seid eine beleidigung für echte moslems. verschwindet von hier!") zum gehen ermuntert. 
was wir dann auch tun. 

Sonntag, 1. Juli 2012

wir sind das volk


ich bin gestern, eher ungeplant, in tel aviv auf dem habima-platz, am ende des rothschild-boulevards gelandet, von wo aus im letzten sommer, und jetzt wieder seit ein paar wochen die samstäglichen proteste starten. 

ich kam gegen halb sieben dort an, und der platz war voller menschen. familien mit kleinen kindern, fahrrädern, rollschuhen, picknickdecken, fußbällen, bobbycars und frisbeescheiben. 
bin ich hier überhaupt richtig?
eine halbe stunde später hatte sich eine gruppe polizisten, an einer ecke des platzes auf die bänke gesetzt, und tat nichts. es sah fast aus wie eine klassenfahrt der polizeiakademie.
eine weitere viertelstunde später hatte sich die gruppe vervielfacht, es waren jetzt mindestens fünfzig. 
doch, ich glaube, ich bin hier richtig.

langsam kommen mehr und mehr weißblaue polizeifahrzeuge, in allen größen und ausstattungen, vom roller bis zum mannschaftswagen und besetzen fast die komplette straßenseite des platzes. 
als dann ein reisebus, der mit großen lettern etwas von touren durchs heilige land verkündet, anhält, und eine weitere ladung bewaffneter ordnungshüter ausspuckt, habe ich aufgehört, ihre zahl zu schätzen. 


ein übertragungswagen eines landesweiten nachrichtensenders bezieht stellung, dann ein zweiter. dieser fährt eine imposante antenne aus, höher als die straßenlaternen, an deren spitze überwachungskameras in mehrere richtungen zeigen. 

die ersten eltern packen ihre sachen, die kinder müssen ins bett. 
nach und nach wird das gesamte bunte plastikspielzeug durch nicht weniger bunte pappschilder und durch viele schwarz-weiße anonymus-masken ersetzt, und der ü-wagen wird zur kinderattraktion schlechthin.
das blaulicht auf den autos der freunde und helfer mischt sich mit der untergehenden sonne und verbreitet eine merkwürdige stimmung. 

es ist bereits ganz dunkel, aber immer noch unglaublich heiss, als sich der menschenstrom, der die polizisten zahlenmäßig sehr schell überholt und hinter sich gelassen hat, in bewegung setzt. 

8.000 menschen, habe ich heute morgen in der zeitung gelesen. 
nach 800m auf zwei hauptstraßen, die feinsäuberlich für autos gesperrt sind, soll der zug ein ende haben. an einer großen kreuzug, etwa nach der hälfte der strecke, brechen einige hundert aus, halten die veranstaltung für karneval, und dass man von ordnern in gelben warnwesten höflich aufgefordert wird, doch wieder auf den vorgegebenen weg zurück zu kehren, stimmt natürlich niemanden um. 

wir sind genug, die gruppe ist groß und wir können auch so mitten auf der straße laufen, ohne dass etwas passiert. die meisten autofahrer, die uns sehen, winken uns zu, hupen im takt der sprechchöre, singen mit. 
zumindest die, die uns entgegen kommen, und deren fahrbahn wir nicht blockieren. 

die stimmung ist super. jede große kreuzung wird für ein paar minuten besetzt, und nur einige religiöse mitmenschen, die gerade, endlich, nach 24 stunden die freuden des autofahrens wieder erleben können, zeigen sich weniger erfreut. aber von der gewalt, die ich in den letzten beiden wochen in den nachrichten verfolgt habe, keine spur. 

wir wandern weiter durchs nächtliche tel aviv, und nach ungefähr vier stunden kommen wir wieder am rothschild-boulevard an. einige fangen an, zelte aufzubauen, aber es bleibt bei einer handvoll. zudem gibt es hitzige diskussionen darüber, welches megaphon das lauteste ist. 

ich kehre irgendwann zurück nach jerusalem. praktischerweise ohne straßenblockade. 


(das untere foto ist übrigens nicht von mir. nur so zur info. wer mich findet, kriegt ein eis.)