wir wandern nach jericho, das war schon einmal geplant. um sicherzustellen, dass wir jericho auch wirklich sehen, fahren wir direkt mit dem bus dorthin, und planen, die andere hälfte des beim letzten mal wegen dunkelheit abgebrochenen wadi-qelt-trails rückwärts zu laufen.
die tatsache, dass es jetzt juli und nicht mehr april ist, und dass wir wesentlich weiter unten, also bei wesentlich höheren temparaturen anfangen, und bergauf laufen müssen, haben wir geflissentlich ignoriert - was dazu geführt hat, dass wir nach ca. zwei kilometern unsere wanderschaft abgebrochen haben und nach jericho zurückgekehrt sind. 37° und gnadenlose sonne sind offenbar nicht die richtigen bedingungen für vier hellhäutige europäerinnen.
die ausgrabungsstelle vom antiken jericho, der ältesten stadt der welt, ist mit eindrucksvollen, wenn auch sehr verblichen informationstafeln geschmückt, die fotos von treppen und torbögen zeigen.
das tatsächliche loch in der erde, was sich direkt neben den schildern befindet, ist dagegen nichts weiter als ein loch in der erde. ich konnte, selbst mit größter beanspruchung meines vorstellungsvermögens, nichts von dem erkennen, was auf den fotos aus den 50ern dargestellt ist.
zurück in der innenstadt, die mehr einem dorfplatz gleicht, lassen wir uns im schatten nieder und trinken kaffee. der freundliche ätere herr, der uns den kaffee serviert setzt sich zu uns, spricht relativ gut englisch und fängt an, sich mit uns zu unterhalten. er erklärt uns, dass er nach islamischem gesetz zwar das recht hätte, vier frauen zu haben, ihm aber seine beiden schon mehr als genug sind, und dass man ja verrückt sein müsse, es mit vieren aufzunehmen. auf die frage, ob er es gerecht finden würde, dass frauen auch vier männer haben dürften, lacht er und meint, man müsse es ja nicht gleich übertreiben. über zwei ließe sich diskutieren, aber vier?
wir überlegen, eine wassermelone zu kaufen, im obstladen an der ecke, er bekommts mit, springt auf und sagt: wartet, ich lege sie für euch in die kühlung, die sind ja jetzt total warm von der sonne. sagt's, schnappt sich eine melone, spaziert damit zum benachbarten metzger, und legt sie zwischen das rohe fleisch.
direkt neben dem metzer, mit all seinen gehäuteten, aufgehängten schafen und hühnern im schaufenster, befindet sich übrigens die örtliche tierarztpraxis.
plötzlich, und ohne dass irgendeine ahnung habe, warum, kippt die stimmung, und er fängt eine lobrede auf hitler zu halten. als er merkt, dass er damit bei uns nicht auf gegenliebe stößt, und als er die hebräischen buchstaben auf meinem arm entdeckt, verlässt er den tisch.
wir beschließen die rückreise über ramallah anzutreten, wo wir in eine imposante demo geraten. der redner brüllt koranverse ins mikro, die komplett schwarzweiß gekleidete, und nach männern uns frauen getrennte menge wiederholt sie rhytmisch und schwenkt die mit weißer, arabischer kalligraphie geschmückten schwarzen flaggen im gleichtakt.
nachdem uns niemand übersetzen will, worum es geht (plötzlich spricht niemand mehr englisch, aber zumindest das wird uns auf englisch gesagt), treffen wir auf einen kanadier, der uns erklärt, dass natürlich die befreiung palästinas das thema ist, allerdings hauptsächlich bezogen auf die rückeroberung jerusalems und auf die zerstörung des jüdischen staates.
eine gewaltige energie liegt in der luft, vergleichbar mit der, die ich letzte woche in tel aviv erlebt habe, auch wenn diesmal wesentlich weniger menschen an der kundgebung teilnehmen. während die stimmung am mittelmeer allerdings positiv und voller tatendrang war, ist sie hier aggressiv, und voller feindseligkeit.
plötzlich werden wir mit der begründung, nicht angemessen gekleidet zu sein ("das hier sind echte moslems, und ihr seid eine beleidigung für echte moslems. verschwindet von hier!") zum gehen ermuntert.
was wir dann auch tun.
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