Mittwoch, 21. März 2012

der name 'hebron' kommt von dem wort 'freund'.

(und zwar sowohl auf hebräisch als auch auf arabisch.) 
 
nach hebron zu fahren war schon mein plan, als ich noch in deutschland war. ich habe damals von der organisation "breaking the silence" gehört, israelische ex-soldaten, die in dieser stadt in palästina stationiert waren. um der (israelischen) öffentlichkeit zu berichten, was an diesem ort passiert, und um andere soldaten bei der bewältigung ihres traumas zu helfen, bieten sie seit 2005 touren durch die stadt an. leider tun sie es derzeit nicht, aber ich habe eine andere möglichkeit gefunden, an einer tour teilzunehmen.

hebron ist eine der ältesten, durchgehend bewohnten städte der welt. sie ist für muslime und juden gleichermaßen wichtig, da sich dort die gräber abrahams und der anderen erzväter und -mütter befinden. nachdem der jüdische teil der bevölkerung 1929 im zuge von progromen vertrieben wurde, kehrten sie nach 1967 im rahmen der "wiederbesiedelung des westjordanlandes" zurück an diesen ort. die jüdischen siedler werden seitdem vom israelischen militär geschützt, was bedeutet, dass die palästinensische bevölkerung stark in ihrer bewegungsfreiheit eingeschränkt ist. 


1998 wurde die stadt in zwei zonen eingeteilt, ein palästinensisch kontrollierter und ein israelisch kontrollierter teil. da es während der zweiten intifada zu extremen gewalttätigen auseinandersetzungen kam, wurden 2005 überwachungstürme und permanente straßensperren errichtet. zwischen den beiden zonen gibt es eine art niemandsland - die ehemalige haupteinkaufsstraße der stadt.
unzählige häuser und ladenlokale stehen hier leer, und die militärpräsenz ist unglaublich. immer wieder brechen siedler in diese verlassenen gebäude ein und besetzen sie, um ihren teil der stadt zu vergrößern. an den wänden findet man graffitis, laut derer araber in gaskammern gehören, und schilder die die aktionen der siedler damit erklären, dass "sie sich nur ihr eigentum zurückholen".

 
das grab abrahams befindet sich innerhalb der israelisch kontrollierten zone, und um den palästinensischen bewohnern der stadt den besuch in der dortigen moschee zu erlauben, gibt es straßen, die der länge nach mit einer mauer aus beton geteilt sind: auf der einen seite laufen die juden, auf der anderen die muslime.
1994 lief ein extremistischer siedler in dieser moschee amok und tötete 29 betende muslime, bevor er überwältigt werden konnte. er wird seither von einer kleinen gruppe als märtyrer verehrt und sein grab ist zu einer art wallfahrtsort geworden.

eine arabische mädchenschule, die sich in unmittelbarer nähe zur grenze befindet, musste vor kurzem ihre unterrichts- und pausenzeiten ändern, da die schülerinnen regelmäßig von den kindern der siedler, die ebenfalls eine schule auf ihrer seite der grenze haben, mit steinen beworfen wurden. ziemlich praktische idee, (ich nehme an, von beiden seiten), seine kinder vorzuschicken: da kann das militär dann nämlich nicht eingreifen. 

 
da wir von einer israelin durch hebron und das umland geführt wurden, konnten wir den palästinensischen teil der stadt nicht betreten, wir haben uns hauptsächlich in dem eben beschriebenen niemandsland aufgehalten. an einer stelle konnten wir durch das fenster eines checkpoints auf das typisch arabische, bunte, geschäftige treiben auf der anderen seite der sperranlage gucken - bevor wir vom diensthabenden soldaten vertrieben wurden.

ich muss dringend jemanden finden, der mich mitnimmt ins palästinensische hebron, denn es ist eine stadt mit knapp 200.000 einwohnern und einer relativ großen universität (auf deren internetseite die teilung der stadt mit keinem wort erwähnt wird.) 



(dieser text ist eine stark verkürzte version der geschichte und der aktuellen ereignisse an diesem ort, und ich habe viel zu wenig einblick in diese situation als dass ich einen objektiven bericht liefern könnte. wenn das überhaupt möglich ist.)

Donnerstag, 1. März 2012

kaum ist der winter vorbei, ist der winter schon wieder zurück

ich kann mittlerweile sehr gut verstehen, warum die briten so lange in palästina waren - der regen hier steht dem regen in london in nichts nach. (die beiden engländerinnen aus der sprachschule behaupten sogar, es wäre hier noch schlimmer als zuhause.)
seit ewigkeiten ist es kalt und nass und stürmisch. mein atelier steht unter wasser und unzählige regenschirmleichen liegen am straßenrand. täglich wird für den jeweils nächsten tag schnee versprochen, der dann aber natürlich nicht kommt.
vor einigen tagen haben sich dann tatsächlich mal eine handvoll hagelkörnchen unter den regen gemischt, und die kinder in meiner nachbarschaft sind total ausgerastet. sie standen draußen, haben gekreischt und haben versucht, wahlweise mit der zunge oder mit tupperdosen, den "schnee" aufzufangen.
ich bin gespannt, was passiert, wenn es wirklich schneien sollte. 
 
in der uni habe ich etws über die vorzüge gelernt, bezalel-student zu sein. "bezalel is an excuse for everything. if you have drugs and get caught  by a cop, just tell him, you're from bezalel. everything will be ok then."  einer meiner professoren hat das gesagt. nicht etwa ein kommilitone. 
 
ein bekannter von mir wohnt in einer dieser kleinen wohnungen, die man erreicht, wenn man es geschafft hat, sich in der altstadt zurecht zu finden, und an der richtigen stelle nach der richtigen anzahl von stufen in die richtige richtung abzubiegen. auf die frage, wie man denn an eine solche wohnung kommt, hat er mir erklärt: also, da unten an der ecke ist ein friseur. da geht man ein paar mal hin, lässt sich die haare schneiden, gewinnt vertrauen. dann sagt man ihm was man will. wenn du dann das nächste mal zu ihm kommst, hält er dir den schlüssel für eine zu dir passende wohnung hin und du kannst einziehen. als gegenleistung zahlst du ihm eine monatsmiete. so einfach ist das.