(und zwar sowohl auf hebräisch als auch auf arabisch.)
nach hebron zu fahren war schon mein plan, als ich noch in deutschland war. ich habe damals von der organisation "breaking the silence" gehört, israelische ex-soldaten, die in dieser stadt in palästina stationiert waren. um der (israelischen) öffentlichkeit zu berichten, was an diesem ort passiert, und um andere soldaten bei der bewältigung ihres traumas zu helfen, bieten sie seit 2005 touren durch die stadt an. leider tun sie es derzeit nicht, aber ich habe eine andere möglichkeit gefunden, an einer tour teilzunehmen.
hebron ist eine der ältesten, durchgehend bewohnten städte der welt. sie ist für muslime und juden gleichermaßen wichtig, da sich dort die gräber abrahams und der anderen erzväter und -mütter befinden. nachdem der jüdische teil der bevölkerung 1929 im zuge von progromen vertrieben wurde, kehrten sie nach 1967 im rahmen der "wiederbesiedelung des westjordanlandes" zurück an diesen ort. die jüdischen siedler werden seitdem vom israelischen militär geschützt, was bedeutet, dass die palästinensische bevölkerung stark in ihrer bewegungsfreiheit eingeschränkt ist.
1998 wurde die stadt in zwei zonen eingeteilt, ein palästinensisch kontrollierter und ein israelisch kontrollierter teil. da es während der zweiten intifada zu extremen gewalttätigen auseinandersetzungen kam, wurden 2005 überwachungstürme und permanente straßensperren errichtet. zwischen den beiden zonen gibt es eine art niemandsland - die ehemalige haupteinkaufsstraße der stadt.
unzählige häuser und ladenlokale stehen hier leer, und die militärpräsenz ist unglaublich. immer wieder brechen siedler in diese verlassenen gebäude ein und besetzen sie, um ihren teil der stadt zu vergrößern. an den wänden findet man graffitis, laut derer araber in gaskammern gehören, und schilder die die aktionen der siedler damit erklären, dass "sie sich nur ihr eigentum zurückholen".
das grab abrahams befindet sich innerhalb der israelisch kontrollierten zone, und um den palästinensischen bewohnern der stadt den besuch in der dortigen moschee zu erlauben, gibt es straßen, die der länge nach mit einer mauer aus beton geteilt sind: auf der einen seite laufen die juden, auf der anderen die muslime.
1994 lief ein extremistischer siedler in dieser moschee amok und tötete 29 betende muslime, bevor er überwältigt werden konnte. er wird seither von einer kleinen gruppe als märtyrer verehrt und sein grab ist zu einer art wallfahrtsort geworden.
eine arabische mädchenschule, die sich in unmittelbarer nähe zur grenze befindet, musste vor kurzem ihre unterrichts- und pausenzeiten ändern, da die schülerinnen regelmäßig von den kindern der siedler, die ebenfalls eine schule auf ihrer seite der grenze haben, mit steinen beworfen wurden. ziemlich praktische idee, (ich nehme an, von beiden seiten), seine kinder vorzuschicken: da kann das militär dann nämlich nicht eingreifen.
da wir von einer israelin durch hebron und das umland geführt wurden, konnten wir den palästinensischen teil der stadt nicht betreten, wir haben uns hauptsächlich in dem eben beschriebenen niemandsland aufgehalten. an einer stelle konnten wir durch das fenster eines checkpoints auf das typisch arabische, bunte, geschäftige treiben auf der anderen seite der sperranlage gucken - bevor wir vom diensthabenden soldaten vertrieben wurden.
ich muss dringend jemanden finden, der mich mitnimmt ins palästinensische hebron, denn es ist eine stadt mit knapp 200.000 einwohnern und einer relativ großen universität (auf deren internetseite die teilung der stadt mit keinem wort erwähnt wird.)
(dieser text ist eine stark verkürzte version der geschichte und der aktuellen ereignisse an diesem ort, und ich habe viel zu wenig einblick in diese situation als dass ich einen objektiven bericht liefern könnte. wenn das überhaupt möglich ist.)


אחלה דיווח!
AntwortenLöschenWenn ich micht nicht irre, sind es auch nicht mal die Nachkommen der Juden Hebrons die da eingezogen sind, sondern einfach Ideologen, die die Stadt für die Juden zurückgewinnen wollten...