vor lauter freude über die drei gewonnenen freien tage bin ich gestern für zwei tage nach haifa gefahren. (es ist ja nicht so, als hätte ich nicht gerade einen ganzen monat frei gehabt, und es in dieser zeit kaum geschafft, aus jerusalem raus zu kommen... egal.) in haifa habe ich carl besucht, einen ehemaligen bauhaus-studenten, der nach seinem auslandssemester an der bezalel vor ein paar jahren nie wieder wirklich nach deutschland zurückgekehrt ist, und jetzt mit seiner freundin in haifa lebt.
die central bus station in jlm ist eine welt für sich. wenn man das obligatorische sicherheitsprogramm hinter sich gebracht hat, taucht man in eine laute, bunte, hektische welt ein, in der alles leuchtet, blinkt, glitzert oder töne von sich gibt. einen moment lang dachte ich, ich hätte den falschen eingang benutzt und wäre in irgend einer mall gelandet, aber irgendwo hab ich dann doch ein schild mit der beschriftung "arrivals/departures" gefunden, und meine hoffnung, doch nach haifa zu kommen, wurde wieder größer.
irgendwo habe ich dann auch einen ticketschalter gefunden, der ausdrücklich kein informationsschalter war (jemand hat sich extra die mühe gemacht, einen 3sprachigen "no information"-zettel zu drucken und an die scheibe des schalters zu kleben.) dass das wörtlich gemeint ist, habe ich erst verstanden, als ich ein paar minuten später einen kleinen bunten fahrschein in der hand hielt, auf dem absolut nichts stand. weder reiseziel noch datum, noch uhrzeit, noch busnummer noch abfahrtsgate. und da ich offenbar nicht die einzige war, der es so ging, hatte sich an dem informationsschalter (der ausdrücklich kein ticketschalter war) bereits eine längere schlange gebildet. als ich endlich an der reihe war, warf die unglaublich sympathische junge dame, die sich tatsächlich klischeebestätigend die fingernägel feilte, einen kurzen blick auf mein ticket und sagt, vorwurfsvoll und kopfschüttelnd "gate 19!" zu mir.
okay, also gate 19. der bus steht schon da, "haifa" leuchtet mir von der anzeigetafel entgegen und ich steige ein. als ich mich höflich beim busfahrer erkundige, welchen der beiden busbahnhöfe in haife er denn anfahre, hebt er die stimme und sagt, er würde verdammt nochmal nicht nach haifa fahren und ich soll augeblicklich seinen bus verlassen. als ich nochmal nachfragen will, ist er schon dabei, die fahrscheine der anderen zu kontrollieren und würdigt mich keines blickes. ich steige wieder aus, drehe mich um, sehe die rote leuchtschrift über der windschutzscheibe des busses, die "haifa" anzeigt und der busfahrer schließt die tür und fährt los. ich stehe allein am bussteig und kann noch nicht einmal zurück in den wartebereich, da sich die türen nur von innen öffnen lassen.
nach einer halben stunde kommt der nächste bus, diesmal ist alles kein problem und anderthalb stunden später bin ich am ziel. ich rufe carl an, sage ihm, dass ich da bin, und er gibt mir instruktionen, wie ich in die innenstadt komme. leider ist die telefonverbindung sehr schlecht, und ich verstehe nur "bus 103" und "wenn du auf der rechten seite xxxx siehst, musst du aussteigen." was?? aber auch beim zweiten erklärungsversuch verstehe ich nichts.
ok, denke ich, irgendwas besonderes auf der rechten seite, das werde ich wohl hinkriegen. steige in den bus, setze mich rechts ans fenster und warte. lange zeit kommt nichts, und für einen moment bin ich mir nicht mal mehr sicher, ob er "rechts" gesagt hat. ein kurzer blick nach links zeigt mir aber nichts als das mittelmeer, also schnell wieder die rechte seite beobachten. zuerst kommt eine seilbahn, die den berg hinauf führt. hat er seilbahn gesagt? ich weiß es nicht. ich glaube nicht. dann kommt ein schiff, ein ozeanriese an land. ein schiff?? keine ahnung. so viel "besonderes" auf der rechten seite habe ich nicht erwartet. als dann aber eine art riesiger terrassengarten auftaucht, bin ich ziemlich sicher, dass nicht noch viel mehr "besonderes" kommen kann, und steige aus.
wer hat mir eigentlich erzählt, haifa wäre eine verschlafene, weltfremde kleinstadt mit palmen und hängematten? haifa ist riesig, dreckig und heruntergekommen, teilweise it-zentrum und teilweise geisterstadt und hat die höchste konzentration an fertigen menschen und verlassenen häusern, die ich bisher hier beobachten konnte.
i like.
eine besonderheit der stadt ist ihre u-bahn, die carmelit. es gibt nur eine linie, und selbst die hat nur 6 stationen, und fährt ausschließlich geradeaus. das besondere ist, dass sie quasi in einem 45-grad-winkel nach oben (bzw nach unten) fährt, und den hafen mit dem karmelgebirge verbindet. außerdem ist sie die einzige u-bahn israels.
den rückweg beginne ich am anderen der beiden busbahnhöfe haifas, und als der busfahrer beginnt, ungewöhnlich lange mein seltsames ticket zu studieren, freue ich mich zum ersten mal tatsächlich über die gewaltsam hinter mir drängelnden israelis, die mich schon so weit in den bus hineingeschoben haben, dass es dem fahrer nicht mehr möglich ist, mich wieder hinauszumanövrieren und schulterzuckend meine fahrkarte abstempelt.