Samstag, 11. Februar 2012

willkommen in ashdod, dem mediterranen außenposten der sowjetunion.

ashdod. 24°c, sonne. eine der unpersönlichsten städte, die ich je gesehen habe. vielleicht sogar die unpersönlichste. das erste was ich sah und dachte, als der bus die autobahn verließ und in die stadt hineinrollte, war: 
das kenn ich doch, das sind doch... plattenbauten! 
und wirklich. exakt die gleichen gebäude wie zum beispiel in leipzig-grünau oder in berlin-marzahn. und an jeder ecke hört man russische wortfetzen. bin ich überhaupt noch in israel?

meine couchsurfing-gastgeber waren sehr nett. ein pärchen, ungefähr in meinem alter. sie holt mich am busbahnhof ab, und war die erste weibliche person in israel zu der ich aufschauen musste.
"und, was machst du so?"
"ich spiele basketball"
ah! das hätte ich mir auch denken können...
auf dem weg nach hause erzählt sie mir, dass sie mit ihrem freund zusammen wohnt, und ich frage mich: WO in diesem land hast du einen so großen mann gefunden?
die frage hat sich allerdings erledigt, als er uns die tür aufmacht, und ihr bis knapp über die schulter reicht.
"kommst du mit einkaufen? wir müssen uns beeilen, bald machen die geschäfte zu. und wir brauchen noch zutaten fürs shabat-dinner."
"ja, klar, warum nicht. aber..."
"nein, keine sorge. wir sind nicht religiös. aber shabat-dinner, das muss schon sein."
nach dem einkauf kriege ich dann noch eine stadtführung vom auto aus, inkl. strand und der mittelalterlichen festung in den dünen. (wow. kein plattenbau!)
abends beim essen fing er dann aus heiterem himmel eine diskussion über kreationismus vs. evolution an. ("nein, keine sorge, wir sind nicht religiös"?!) sie dagegen war mit mir einer meinung, versuchte aber mit allen mitteln, nicht mit ihm zu streiten.
schönes bild: dieses riesige mädchen hält die hand ihres kleinen freundes und redet beruhigend auf ihn ein, während er im laufe des gesprächs zwei mal seinen stuhl verlässt, um im stehen weiterzureden.
nach dem essen hat niemand mehr auch nur ein wort über dieses thema verloren.

am nächsten morgen, mache ich mich allein auf, um die stadt mit der camera zu erkunden.
ashdod ist eine stadt vom reißbrett, komplett geplant ende der 50er jahre. und da sie kurz nach dem ende der sowjetunion von neuen einwanderern überschwemmt wurde und und sich die einwohnerzahl innerhalb von 10 jahren verdoppelt hat (auf ca 200.000), wurde in dieser zeit noch viel mehr gebaut. (da ist die erklärung für das viele russisch, das in der luft liegt.) 
die neuen gebäude stehen den alten plattenbauten aus der ersten bauphase in nichts nach, sie sind nur etwas moderner. heißt im klartext: sie sehen aus wie riesige hotels, wie bettenburgen an den uferpromenaden der welt, geplant von einfallslosen architekten.
die stadt ist durchzogen von schnurgeraden, teilweise sechsspurigen Boulevards, auf deren mittelstreifen palmen in reih und glied stehen. die stadtteile sind praktischerweise nach dem alphabet benannt, und es würde mich nicht wundern, wenn die schulen durchnummeriert wären - wie in russland.
es gibt keine innenstadt. es gibt ein einen stadtteil, der sich "the city" nennt, und ungefähr im zentrum liegt. hier sieht es nicht anders aus als an jeder anderen stelle der stadt, außer dass die häuser im erdgeschoss ladenlokale beherbergen. da aber ihre schaufenster alle exakt die gleiche größe haben, ändert das nichts an der allgemeinen uniformität. sogar die leuchtreklame ist standardisiert.
cafés? restaurants? nichts als nationale ketten.
die wege in den parks sind mit dem lineal gezogen, die bäume und büsche haben jeweils den gleichen abstand zueinander. 
 
für das (immerhin vorhandene) museum haben sich die planer etwas ganz besonderes einfallen lassen: 
der eingang hat die form einer großen, gläsernen pyramide. 
das... hab ich doch auch schon mal irgendwo gesehen...
das innere des museums ist eine katastrophe. ich rede nicht von der ausstellung. ich rede vom gebäude an sich. ein wilder materialmix aus spanplatten (lackiert und unlackiert), weiß gestrichenem beton, marmor (geschliffen und ungeschliffen) und metallenen treppengeländern bzw. brüstungen in verschiedenen grautönen und oberflächen. dazu: keine rechen winkel, ständig durchbrochene wände, die den blick frei geben auf zwei verschieden treppen, die die drei etagen des ausstellungsraumes kreuz und quer duchziehen. im prospekt des museums steht: "die ungewöhnliche architektur des museums ist eine herausforderung, sowohl für den künstler als auch für den kurator." so kann man das natürlich auch sehen.
ansonsten gibt es nichts. was macht man, wenn man 16, 17, 18 ist? es gibt keine bars, kein ort für konzerte, an eine disco ist gar nicht zu denken. und es ist unglaublich sauber.

am nachmittag haben mich meine gastgeber dann mitgenommen zu einem ausflug in die dünen. dünen - voll mit dornenbüschen (gebrannt hat keiner) und anderem gestrüpp. wir sind querfeldein gewandert, und jetzt sehen meine stiefel endlich so aus, wie ich sie schon von anfang an haben wollte.
außer uns waren in diesen schier endlosen sandbergen auch noch andere menschen  unterwegs.
mit gelände-quads. allerdings sind sie eher wenig gefahren. meist hielten sie sich pärchenweise in der nähe eines fahrzeugs auf: er, slawischer typ, breitschultrig, glatze, sonnenbrille, mit verschränkten armen. sie, blondierter pferdeschwanz, demonstrativ kaugummikauend, glitzernde fingernägel und mit einer pinken kapuzenjacke aus nicki-material. dass auch hier russisch gesprochen wurde, muss ich nicht erwähnen.

am abend bin ich zurück nach hause gefahren. und ich denke, zwei tage ashdod sind genug. für die komplette zeit meines aufenthaltes hier.


(fotos folgen)

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