ich hatte schon fast ein schlechtes gewissen, euch mit diesem letzten, nicht gerade fröhlichen blogpost allein zu lassen, und wochenlang nichts neues zu schreiben. aber es ist einfach nichts wirklich schreibenswertes passiert.
bis heute. und passend zum letzten post geht es wieder um eine demo, allerdings eine demo ganz anderer art:
die "gay pride parade" in tel aviv.
ausgelassene stimmung, regenbogenflaggen und plüsch-hotpants bei 31° im schatten in israels partymetropole.
und ganz anders als bei anderen straßenfestivals sind die bürgersteige nicht besetzt mit überteuerten getränkeständen, nein, es gibt wasser gratis. und dazu ein hebräisch-englischer sprachführer, in dem es ausschließlich um (schwule) flirt-sprüche geht.
einer meiner profs in der uni hat es als persönliche herausforderung begriffen, ein videoarchiv zeitgenössischer israelischer künstler zu schaffen. momentan gibt es eine ausstellung mit insgesamt mehr als 40 künstlern und auch wir vier (miniaturkurs), sind mit je einer arbeit vertreten. vorgestern wurden wir dann zu genau dieser austellung zitiert, saßen auf dem boden herum, aßen erdnüsse und guckten uns an, wie diese interviews aufgenommen werden.
plötzlich dreht sich der prof zu mir um, guckt mich an und sagt: "du bist dran."
große augen meinerseits. "ich?!"
"ja, was glaubst du denn? ihr seid alle dran. yalla!"
ich hasse es, über meine bilder zu sprechen. unter vier augen ist es schon schwer, aber mit 15 leuten drumherum, die ich zum großteil noch nicht einmal kenne, ist es fast unmöglich. und die kamera und die scheinwerfer habe ich ja noch gar nicht erwähnt.
aber gut. bleibt mir etwas anderes übrig? ich setze mich hin, und als erstes fällt das mikro, das ich mir an den kragen klemmen soll, auseinander. ich habe zwei teile in der hand, und bin nicht fähig, sie wieder zusammen zu setzen. alle gucken mich an, und nein, es ist mir überhaupt nicht peinlich.
meine hände sind nass und ich hab das gefühl, man kann von außen mein herz klopfen sehen.
hebräisch? äh, ok. hebräisch.
ein paar worte zu mir, studentenaustausch, bauhaus, malen, wie bin ich in dem kurs gelandet. es geht, und die kamera ist auch gar nicht soo schlimm.
"was hälst du von dem zusammenhang zwischen dieser speziellen gruppenausstellung und der aktuellen politischen situation in israel?"
"bitte?!"
sein assistent übersetzt ins englische.
du brauchst mir das nicht übersetzen, ich habs auch so verstanden, danke.
aber... aber ich kann und will nichts dazu sagen, und das liegt nicht an der sprache.
der prof versucht es nochmal, und wieder weigere ich mich, eine antwort zu geben.
sichtlich enttäuscht und genervt fragt er noch zwei, drei andere dinge, und dann bin ich entlassen.
ich hoffe, sie schneidens einfach raus, und ich hoffe, ich kriege dieses video nie zu gesicht.
aber hey, ich bin jetzt im archiv zeitgenössischer israelischer künstler.

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