Donnerstag, 23. Februar 2012

final destination: central bus station, tel aviv

von der central-bus-station in tel aviv habe ich schon gehört, bevor ich überhaupt mein flugticket nach israel gekauft habe. und gewesen bin ich dort schon etliche male, denn außerhalb des eigentlichen bahnhofs befindet sich die endhaltestelle des sheruts, mit dem ich von jerusalem nach tel aviv fahre. diese woche habe ich mich zum ersten mal ins innere dieses monstrums getraut. 
 
ein riesiges gebäude mit sieben etagen und die straßenebene ist die vierte. das heisst, es gehen von dort aus drei nach oben und drei unter die erde. vier dieser etagen dienen tatsächlich als bussteige, der rest ist eine art riesiges, unüberschaubares einkaufszentrum.
die verschiedenen etagen werden durch ein wirres system von insgesamt 29 rolltreppen kreuz und quer miteinander verbunden, es ist laut und dreckig. bis 2010 war dies der größe busbahnhof der welt, dann wurde ein größerer in indien gebaut. 
 
läuft man die gänge entlang, entfernt man sich bald von den leuchtenden schaufenstern mit billigen tshirts made in fernost und der blechern klingenden popmusik, die aus den rostigen lautsprechern schallt. dunkler und ruhiger ist es weiter hinten. unzählige ladenlokale stehen leer und durch die fast blinden scheiben kann man die verstaubten reste der ehemaligen einrichtung erkennen. hier und da gibt ein kaum zu entziffernder rest einer beschriftung auskunft über  die vergangene nutzung des dahinterliegenden raumes. leere fastfood-verpackungen liegen auf dem boden des nicht enden wollenden korridors, teilweise von staub bedeckt. 
 
dann plötzlich licht von der seite, stimmen, geräusche. eine lücke zwischen den ladenlokalen gibt den blick frei auf die darunterliegende etage. man sieht geschäftiges treiben, menschenmassen, hört technoklänge aus einem schuhladen, leierndes gedudel batteriebetriebener kinderspielzeuge und kann sich einer wolke aus pizza- und falafelgeruch nicht entziehen. das alles nur wenige meter unterhalb der endzeit-szenerie in der ich mich befinde. 
und überall gelbe hinweisschilder, die mit pfeilen in die richtung des nächstgelegenen schutzbunkers zeigen.
 
glaubt man, das ende des flurs erreicht zu haben, täuscht man sich, denn das ende bezieht sich nur auf die richtung. blickt man um die ecke, erstreckt sich ein ein neuer, ebensolanger gang vor einem. hier und da sitzgelenheiten für wartende passagiere, ticketschalter, aber alles verwaist. es gibt eine etage, die seit 1998 nicht mehr von bussen angefahren wird. und offenbar wurde nie über eine nutzungsänderung nachgedacht. 
 
man hat den eindruck, als befände man sich innerhalb eines lebenden organismus, wenn man sich eine weile an diesem ort aufhält. die unübersichtlichkeit einer großstadt in einem entwicklungsland gepaart mit werbebotschaften aus dem 21. jahrhundert. es gibt niemanden, der den überblick über die verschiedenen ebenen des gebäudes hat. wie auch, bei eine gesamtfläche von 230.000m²?
so war es allein im jahr 2010 schauplatz eines mordes und drei vergewaltigungen. 
 
im ärmsten stadtteil von tel aviv gelegen ist der rund um die uhr geöffnete busbahnhof natürlich anziehungspunkt für allerlei nachtgestalten und gescheiterte persönlichkeiten. drogen, alkohol, prostitution, nur ein paar meter neben, ober- oder unterhalb der schaufenster, die mit riesigen hello-kittys oder actionfiguren kleine kinder dazu bringen, mit großen augen an der scheibe zu kleben und taub zu sein für die hektischen stimmen ihrer erziehungsberechtigen. 
 
im januar diesen jahres hat der betreiber der central-bus-station angeblich insolvenz angemeldet.

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